Die Weihnachtszeit ist die Zeit des Gebens. In den letzten Jahren habe ich Ihnen immer ein Rezept für einen festlichen Drink geschenkt — kleine flüssige Freunde, die das Jahresende versüßen sollten. Dieses Jahr dachte ich mir: Wie wäre es mal mit etwas, das nicht zu Kopfschmerzen führt? (Zumindest nicht direkt.)
Weiterlesen ›
Ich weiß, dieser Artikel wird nicht jeden interessieren. Wer hier reine Fotografie erwartet, darf gerne weiterklicken. Aber in den letzten Wochen habe ich so viel an meiner Website herumgeschraubt, dass ich ein paar Gedanken dazu loswerden möchte. Nicht aus Selbstbeweihräucherung, sondern weil mich manche Fragen dazu immer wieder erreichen.
Die Mail landet wie ein Keulenschlag in meinem Postfach: "Ihre Bilder wurden auf einer russischen Website entdeckt." Natürlich ohne Genehmigung, ohne Credit, ohne jeglichen Respekt vor der kreativen Arbeit. Wieder einmal. Man könnte meinen, ich hätte mich längst daran gewöhnt, aber dieser digitale Vandalismus trifft mich jedes Mal aufs Neue.
Dieser Moment, wenn man das Programm öffnet, mit dem man seit 30 Jahren arbeitet, und sich fragt: Was haben die jetzt schon wieder angestellt?
Kürzlich blätterte ich durch meine Arbeiten der letzten Jahre und musste grinsen. Da war er wieder, dieser unverkennbare Stil in meinen Bildern. Wie ein roter Faden zieht er sich durch mein Portfolio, ohne dass ich je bewusst danach gesucht hätte. Manchmal bin ich selbst erstaunt, wie eindeutig meine Handschrift geworden ist. Vermutlich könnte ich meine Bilder nicht mal unter Pseudonym veröffentlichen, ohne sofort enttarnt zu werden.
Letztens am Frankfurter Flughafen. Eine Gruppe asiatischer Touristinnen fällt mir auf, ihre Gesichter so weiß wie ein Blatt Kopierpapier. Selbst für mich als chronisch hellhäutigen Menschen ein überraschender Anblick. Bei den Asiatinnen scheint es kein genetischer Zufall zu sein, sondern System mit absoluter Präzision.
Kennen Sie das? Sie sitzen in der U-Bahn, und Ihnen gegenüber sitzt eine attraktive Frau. Sie trägt Stiefel, die ihr ausgezeichnet stehen. Früher hätte man da einfach gesagt: "Tolle Stiefel!" In der heutigen woken Zeit riskieren Sie damit einen öffentlichen Shitstorm wegen "männlicher Übergriffigkeit".
Ehrlich gesagt war ich ein bisschen beleidigt, als mich neulich jemand fragte, ob ich denn überhaupt noch für den Playboy fotografieren würde. Ja, natürlich tue ich das. Nur bin ich halt nicht der Haus- und Hof-Fotograf, der in jeder Ausgabe vertreten ist. Manchmal sind es Monate, manchmal ein Jahr. So ist das eben.
Es fing harmlos an. Ich scrollte durch meinen eigenen Blog, eigentlich nur auf der Suche nach einem alten Artikel über Pornografie, als mein Blick an diesen kleinen Flaggen-Emojis hängenblieb. Diese pixeligen Fetzen, die aussehen wie die Wimpelkette eines Deutsch-Amerikanischen Freundschaftsfestes.
Da steht man mit seiner High-End-Kamera an einer traumhaften Location, das Model strahlt und das Licht ist göttlich. Und am Ende des Tages fehlt wieder einmal begleitendes Video-Material. Meine Kunden fragen regelmäßig danach, und ich stehe dann da wie ein Erstklässler am Tag der vergessenen Brotdose.
Ich wurde gerade von Google gelöscht. Nicht wegen dubioser Inhalte, sondern weil eine künstliche Intelligenz behauptet hat, auf meiner Website sei eine bestimmte OnlyFans-Creatorin zu sehen. Eine Frau, die ich weder kenne noch jemals fotografiert habe. Die KI hat zwei völlig unterschiedliche Personen verwechselt und daraus einen DMCA Claim gemacht.
Die Nachricht aus der Filmbranche kam überraschend: Der neue Bob-Dylan-Film "A Complete Unknown" wurde mit ISO 12800 gedreht. Was für viele nach technischem Wagnis klingen mag, war für mich als Fotograf eine willkommene Bestätigung.
Ein Bäcker backt jeden Tag Brötchen. Ich fasse manchmal wochenlang meine Kamera nicht an. Und jedes Mal dieses nagend-schlechte Gefühl: Sollte ich nicht auch täglich produzieren, wie ein ordentlicher Handwerker? Spoiler: Nein.
Man könnte meinen, nach dem Shooting ist die Arbeit getan. Models und Kunden sind zufrieden, die Bilder sind im Kasten. Was soll da noch groß kommen? Tja, wenn es nur so einfach wäre. Denn jetzt beginnt der Teil meiner Arbeit, den kaum jemand zu Gesicht bekommt. Eine Odyssee der Datensicherung, getrieben von einer gesunden Portion Paranoia und jahrelanger Erfahrung mit den Tücken der Technik.
Manchmal muss man einfach etwas Verrücktes machen. So stand ich also in diesem kleinen Schreibwarengeschäft, einem dieser besonderen Läden, die aussehen, als wären sie aus einer anderen Zeit. Überall japanische Umschläge, handgeschöpfte Papiere, Bindfäden in allen erdenklichen Farben. Ein Paradies für jeden, der Haptik liebt.
Kürzlich bei einem Shooting musste ich wieder schmunzeln. "Darf mein Freund dabei sein?", fragte mich das Model am Telefon. Klar darf er, aber ich wusste schon, was passieren würde. Nach zwanzig Minuten würde sie mehr damit beschäftigt sein, seine Reaktionen zu lesen als meine Anweisungen.
Während wir uns noch über die neuesten KI-Bildgeneratoren streiten, hat Google seine "Nano Banana" aus dem Hut gezaubert. Und ich muss zugeben: Das Ding hat mich ziemlich überrascht.
Manchmal frage ich mich, ob ich der letzte Mohikaner bin. Seit 2009 produziere ich jedes Jahr meinen Aktkalender, während um mich herum die moralischen Zeigefinger immer höher recken. Ein fotografisches Relikt aus einer Zeit, als man noch unbekümmert die Schönheit des nackten Körpers feiern konnte. Bin ich ein Dinosaurier? Vielleicht. Aber einer, der sich weigert auszusterben.
Neulich am Flughafen. Ich stehe in der Schlange zur Sicherheitskontrolle und beobachte, wie vor mir ein Mann verzweifelt versucht, seinen Koffer umzupacken. "Die Powerbank muss ins Handgepäck", sagt der Sicherheitsmann mit der Strenge eines Grundschullehrers, der zum fünften Mal erklären muss, dass zwei plus zwei vier ergibt.
Sie kennen das: Ende November hängt Frankfurt in den Seilen. Grauer Himmel, erste Schneematsche, und die Vorstellung der Heizungsrechnung macht direkt schlechte Laune. Während andere sich in Winterdepression und Glühwein flüchten, packe ich meine Kameraausrüstung und verschwinde auf die Kanaren. Vom 27. November bis 12. Dezember verwandle ich Fuerteventuras Norden in mein persönliches Outdoor-Studio.
Ah, die Grande Nation und ihre liebevolle Beziehung zur englischen Sprache! Da steht man nun als deutscher Fotograf im Jahr 2025 an einem malerischen Strand von Fuerteventura, hat jahrelang sein Schulenglisch gepflegt, kann zwischen aperture und shutter speed unterscheiden und freut sich auf die internationale Kommunikation — und dann kommt sie angeschlendert, die französische Schönheit, und schaut einen an, als hätte man gerade vorgeschlagen, Camembert mit Ananas zu servieren.
Es gibt sie, diese Momente in der Kunstgeschichte, die uns heute die Röte ins Gesicht treiben. Nicht etwa, weil wir prüde geworden wären — ganz im Gegenteil. Wir erröten, weil wir uns ertappt fühlen. Als hätten unsere Vorfahren uns dabei erwischt, wie wir heimlich durch ein Schlüsselloch spähen.
Wie ein bisschen Papier mehr kreative Freiheit schafft und warum das gar nichts mit Kontrollzwang zu tun hat.
Kennen Sie das? Sie schneiden gerade ein Video von einem erfrischenden Interview und plötzlich merken Sie: Ups, 10 Minuten sprechender Kopf. Da schläft der Zuschauer ja ein! Willkommen in der wunderbaren Welt der B-Roll, oder wie ich sie nenne: Die filmische Soße, die jedes Interview erst richtig schmackhaft macht.
RSS Feed abonnieren