Manchmal muss man einfach etwas Verrücktes machen. So stand ich also in diesem kleinen Schreibwarengeschäft, einem dieser besonderen Läden, die aussehen, als wären sie aus einer anderen Zeit. Überall japanische Umschläge, handgeschöpfte Papiere, Bindfäden in allen erdenklichen Farben. Ein Paradies für jeden, der Haptik liebt.
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Kürzlich bei einem Shooting musste ich wieder schmunzeln. "Darf mein Freund dabei sein?", fragte mich das Model am Telefon. Klar darf er, aber ich wusste schon, was passieren würde. Nach zwanzig Minuten würde sie mehr damit beschäftigt sein, seine Reaktionen zu lesen als meine Anweisungen.
Während wir uns noch über die neuesten KI-Bildgeneratoren streiten, hat Google seine "Nano Banana" aus dem Hut gezaubert. Und ich muss zugeben: Das Ding hat mich ziemlich überrascht.
Manchmal frage ich mich, ob ich der letzte Mohikaner bin. Seit 2009 produziere ich jedes Jahr meinen Aktkalender, während um mich herum die moralischen Zeigefinger immer höher recken. Ein fotografisches Relikt aus einer Zeit, als man noch unbekümmert die Schönheit des nackten Körpers feiern konnte. Bin ich ein Dinosaurier? Vielleicht. Aber einer, der sich weigert auszusterben.
Neulich am Flughafen. Ich stehe in der Schlange zur Sicherheitskontrolle und beobachte, wie vor mir ein Mann verzweifelt versucht, seinen Koffer umzupacken. "Die Powerbank muss ins Handgepäck", sagt der Sicherheitsmann mit der Strenge eines Grundschullehrers, der zum fünften Mal erklären muss, dass zwei plus zwei vier ergibt.
Sie kennen das: Ende November hängt Frankfurt in den Seilen. Grauer Himmel, erste Schneematsche, und die Vorstellung der Heizungsrechnung macht direkt schlechte Laune. Während andere sich in Winterdepression und Glühwein flüchten, packe ich meine Kameraausrüstung und verschwinde auf die Kanaren. Vom 27. November bis 12. Dezember verwandle ich Fuerteventuras Norden in mein persönliches Outdoor-Studio.
Ah, die Grande Nation und ihre liebevolle Beziehung zur englischen Sprache! Da steht man nun als deutscher Fotograf im Jahr 2025 an einem malerischen Strand von Fuerteventura, hat jahrelang sein Schulenglisch gepflegt, kann zwischen aperture und shutter speed unterscheiden und freut sich auf die internationale Kommunikation — und dann kommt sie angeschlendert, die französische Schönheit, und schaut einen an, als hätte man gerade vorgeschlagen, Camembert mit Ananas zu servieren.
Es gibt sie, diese Momente in der Kunstgeschichte, die uns heute die Röte ins Gesicht treiben. Nicht etwa, weil wir prüde geworden wären — ganz im Gegenteil. Wir erröten, weil wir uns ertappt fühlen. Als hätten unsere Vorfahren uns dabei erwischt, wie wir heimlich durch ein Schlüsselloch spähen.
Wie ein bisschen Papier mehr kreative Freiheit schafft und warum das gar nichts mit Kontrollzwang zu tun hat.
Kennen Sie das? Sie schneiden gerade ein Video von einem erfrischenden Interview und plötzlich merken Sie: Ups, 10 Minuten sprechender Kopf. Da schläft der Zuschauer ja ein! Willkommen in der wunderbaren Welt der B-Roll, oder wie ich sie nenne: Die filmische Soße, die jedes Interview erst richtig schmackhaft macht.
Sie kennen das vielleicht nicht: Da investiert man Jahre in seine künstlerische Vision, feilt an Bildsprache und Ästhetik und dann kommt ein Algorithmus daher und stempelt die eigene Website als pornografisch ab. Willkommen in meiner Welt.
Reisen ist schon immer eine Sehnsucht gewesen. Im Schloss in Schwetzingen gibt es ein Bauwerk, es ist ein langer Schattengang und dahinter blickt man ans "Ende der Welt". Als Kind fand ich diese Installation besonders. Sie hatte etwas Verlockendes, etwas, das mich in die Ferne zog. Weg von der Enge des Alltags, hin zu neuen Horizonten.
Neulich schaute ich in den Spiegel und erschrak furchtbar. Nicht etwa, weil ich besonders schlimm aussah — nein, weil ich völlig normal aussah. Keine makellose Haut wie aus Porzellan. Keine Augen, die wie handpolierte Murmeln glänzten. Und sogar ein paar Fältchen, die davon zeugten, dass ich in meinem Leben schon das eine oder andere Mal gelacht hatte.
Die Situation kennen wir alle: Das Shooting steht an, und man möchte schnell ein paar inspirierende Referenzbilder ausdrucken. Nicht als starre Vorlage zum Nachstellen — das wäre ja langweilig — sondern als visuelle Gedankenstütze. Ein kleines Moodboard sozusagen, das einem aus der kreativen Sackgasse hilft, wenn die Ideen mal stocken.
Wir Fotografen sind doch alle irgendwie eitel, oder? Ach, ich glaube, der Mensch allgemein sehnt sich nach Anerkennung. Nach dem Gesehen werden. Und so freue ich mich immer, wenn es in einem Magazin eine Veröffentlichung von mir gibt oder meine Bilder sonst irgendwo auftauchen.
Als Fotograf erlebt man so einiges vor der Linse. Doch der neueste Posing-Trend bringt selbst erfahrene Profis an ihre Grenzen. Eine Geschichte über gestreckte Hälse, dominante Kinne und die ewige Suche nach dem perfekten Shot.
Heute Morgen saß ich wieder mal vor meinem Eizo ColorEdge Monitor und kämpfte mit der Farbkalibrierung. Sie kennen das vielleicht: Man schaut sich dasselbe Foto in verschiedenen Programmen an und plötzlich sieht es überall anders aus. Mein Labor belichtet in sRGB aus, also sollte das doch eigentlich kein Hexenwerk sein, die Kallibrierung hinzubekommen.
Am Montag saß ich wieder einmal vor meinem Computer und führte einen epischen Kampf mit der künstlichen Intelligenz von Adobe. Sie kennen das bestimmt: Man will nur schnell ein Foto für den Blog bearbeiten, aber die KI hat entschieden, dass sie heute den Blockwart spielen möchte.
Kaum öffnet man morgens das Smartphone, prasseln wieder die üblichen Schlagzeilen auf einen ein. "KI revolutioniert die Fotografie", "Fotografen vor dem Aus", "Künstliche Intelligenz macht Menschen überflüssig". Ach so. Wieder einmal also.
Als Aktfotograf kenne ich mich mit Zensur aus. Nicht etwa durch totalitäre Staaten oder ferne Regime — nein, mit Zensur mitten in der vermeintlich freien westlichen Welt. In jenem Westen, dem man gerne nachsagt, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu sein.
Es gibt diesen magischen Moment zwischen Paris und Frankfurt im TGV, wenn die Champagne vorbeizieht wie ein impressionistisches Gemälde. 320 Stundenkilometer pure Inspiration. Während andere Passagiere Netflix schauen oder in ihre Laptops starren, entstehen in meinem Kopf die Bilder von morgen. Nicht etwa technische Details oder simple Posen. Es ist etwas anderes.
Garagen-Verkauf? Nun ja, nicht so ganz. Dessous-Schrank-Verkauf klingt allerdings auch etwas merkwürdig. Aber irgendwie musste ich das Kind ja nennen. Das, was da in den letzten Tagen vor sich ging…
In der Fotografie-Szene gibt es sie häufiger als Samtboxen bei Hochzeitsfotografen: Die selbsternannten Meister, die ihre Arbeit für unbezahlbar halten, aber selbst lieber mit "Exposure" als mit Euro bezahlen.
Und da stand ich wieder mit der Kamera im Schrebergarten. Das Model saß auf diesem weißen Plastikstuhl, Sie wissen schon, diesem einen, der überall ist. Während ich durch den Sucher schaute, hatte ich eine dieser Erkenntnisse, die einen kurz innehalten lassen: Dieser Stuhl verfolgt mich. Er ist immer da. Auf jedem Balkon in Mallorca, in jeder Kleingartenparzelle von München-Moosach, vor vielen Cafés in Marseille.
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