Das wird eine super Bereicherung für Dein Portfolio!
Ach ja, dieser Satz. Er klingt in etwa so überzeugend wie "Das Shooting dauert höchstens zwei Stunden" oder "Die Location ist ganz leicht zu finden". Er ist der treue Vorbote dessen, was unweigerlich folgt: "Bezahlung? Nein, aber dafür bekommst du ja die Bilder!" Tatsächlich? Die Bilder? Von meinem Shooting? Wie großzügig!
Kennen Sie diese Spezies Fotograf auch? Die, deren Ego größer ist als ihre längste Brennweite, die sich für die unentdeckten Genies der Bildgestaltung halten, aber beim Wort "Modellhonorar" schneller verschwinden als ein Akku bei Minusgraden?
Dabei ist die Rechnung eigentlich so simpel wie der Verschluss einer Lochkamera: Wer professionelle Leistung möchte, muss auch professionell damit umgehen. Beim Zahnarzt sagt ja auch keiner: "Hey, bohren Sie mal! Bezahlen? Nö, aber Sie können meine Zähne ja als Referenz in Ihre Instagram-Story packen!"
Natürlich gibt es sie, die gegenseitigen Gefallen unter Kreativen. Das gute alte Time-for-Print hat durchaus seine Berechtigung — wenn beide Seiten davon profitieren und das auch von vornherein klar kommuniziert wird. Solche Projekte mache ich ja auch gelegentlich.
Aber wenn ich ein Modell für einen Auftrag buche, dann ist das keine Freundschaftsanfrage, sondern ein Geschäftsverhältnis.
Die andere Seite der Medaille: Derzeit erlebe ich einen regelrechten Höhenflug bei den Honorarvorstellungen. Da kommen Newcomer-Models und nennen Stundensätze, bei denen selbst ein Schönheitschirurg in Monaco bescheiden wirkt. Zwischen "Exposure" und Größenwahn liegt offenbar nur ein schmaler Grat.
Meine Position ist klar: Wenn ich ein Modell buche, dann zahle ich auch ein faires Honorar. Das hat nichts mit Großzügigkeit zu tun, sondern mit Professionalität und Respekt. Gleichzeitig erwarte ich aber auch eine realistischere Einschätzung des eigenen Marktwerts als "Ich hab schon mal eine Handtasche in die Kamera gehalten".
Vielleicht sollten wir alle mal einen Schritt zurücktreten (und zwar weiter als beim Gruppenfoto einer Großfamilie) und uns fragen: Was macht uns eigentlich zu dem, was wir sind? Ist es wirklich die Anzahl der Nullen auf der Rechnung? Oder ist es nicht vielmehr die Qualität unserer Arbeit, die Zuverlässigkeit und ja, auch die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen?
Am Ende des Tages machen wir nämlich alle das Gleiche: Wir erschaffen Bilder. Und die werden nur dann wirklich gut, wenn alle Beteiligten mit Respekt und auf Augenhöhe zusammenarbeiten und nicht einer von der Leiter seiner Selbstüberschätzung herab fotografiert.