Petra hat Geburtstag. Ich habe ein schönes Foto von ihr, aufgenommen vor wenigen Wochen während unseres Shootings auf Fuerteventura. Sie trägt Unterwäsche, kniet auf einem Sofa, schaut zum Fenster. Kein Nippel, keine provokante Pose, nichts, was man nicht auch in jeder Parfümerie-Auslage oder an jedem Bahnhofskiosk sehen würde. Also poste ich das Bild auf Instagram mit dem Text "Happy Birthday" und denke mir dabei: nichts.
Weiterlesen ›
8 Uhr morgens. Nach zwei Tagen Fotoproduktion, steige ich in Ibiza in den Flieger nach Hause, freue mich auf meine Frau. Doch erstmal muss ich heulen. Es bricht einfach aus mir raus. Zum Glück habe ich die gesamte Sitzreihe für mich allein. Warum ich? Warum hört es nicht auf?
Sie wissen ja, wie das ist mit der Kunst. Eigentlich gehört sie allen. Zumindest war das stets meine bescheidene Überzeugung, als ich meine Bildbände in die Welt schickte. Limitiert zwar, aber nicht um künstliche Verknappung zu schaffen, sondern weil es sich einfach richtig anfühlte. Wie bei einem guten Gespräch — irgendwann ist es zu Ende, und genau das macht es wertvoll.
Heute stolperte ich über eine Studie, die mich als Fotograf besonders interessierte: Forscher haben untersucht, warum Männer unterschiedliche weibliche Körperregionen bevorzugen. Die einen sind Team Brüste, die anderen Team Po. Das soll biologisch programmiert sein — und das merke ich täglich in meiner Arbeit.
Zurück aus Fuerteventura, sitze ich am Schreibtisch und signiere die letzten Exemplare meines Mellow-Bildbands. Folie auf, durchblättern, Autogramm auf Seite 5, fertig.
Ich bin auf Social Media ein Geisterfahrer. Verbrachte dort nie viel Zeit, verstehe den Hype nicht wirklich. Bei Fotos anderer werde ich nur neidisch, fühle mich als Fotograf klein. Tun mir also nicht gut, die Plattformen.
Die EU hat beschlossen, dass wir künftig kennzeichnen müssen, wenn Bilder mit KI erstellt oder bearbeitet wurden. Ab August 2026 ist es dann so weit. Der EU AI Act will Transparenz schaffen, Täuschung verhindern, das Vertrauen in visuelle Medien zurückgewinnen. Klingt vernünftig, oder?
Ein Model mit Top-Figur, perfektem Make-up und einer Frisur von der Stange — diese Situation erlebe ich häufiger, als mir lieb ist. Dabei sind die Haare doch kein schmückendes Beiwerk, sondern der stärkste Verbündete vor der Kamera.
Ich weiß, dieser Artikel wird nicht jeden interessieren. Wer hier reine Fotografie erwartet, darf gerne weiterklicken. Aber in den letzten Wochen habe ich so viel an meiner Website herumgeschraubt, dass ich ein paar Gedanken dazu loswerden möchte. Nicht aus Selbstbeweihräucherung, sondern weil mich manche Fragen dazu immer wieder erreichen.
Die Mail landet wie ein Keulenschlag in meinem Postfach: "Ihre Bilder wurden auf einer russischen Website entdeckt." Natürlich ohne Genehmigung, ohne Credit, ohne jeglichen Respekt vor der kreativen Arbeit. Wieder einmal. Man könnte meinen, ich hätte mich längst daran gewöhnt, aber dieser digitale Vandalismus trifft mich jedes Mal aufs Neue.
Kürzlich blätterte ich durch meine Arbeiten der letzten Jahre und musste grinsen. Da war er wieder, dieser unverkennbare Stil in meinen Bildern. Wie ein roter Faden zieht er sich durch mein Portfolio, ohne dass ich je bewusst danach gesucht hätte. Manchmal bin ich selbst erstaunt, wie eindeutig meine Handschrift geworden ist. Vermutlich könnte ich meine Bilder nicht mal unter Pseudonym veröffentlichen, ohne sofort enttarnt zu werden.
Letztens am Frankfurter Flughafen. Eine Gruppe asiatischer Touristinnen fällt mir auf, ihre Gesichter so weiß wie ein Blatt Kopierpapier. Selbst für mich als chronisch hellhäutigen Menschen ein überraschender Anblick. Bei den Asiatinnen scheint es kein genetischer Zufall zu sein, sondern System mit absoluter Präzision.
Kennen Sie das? Sie sitzen in der U-Bahn, und Ihnen gegenüber sitzt eine attraktive Frau. Sie trägt Stiefel, die ihr ausgezeichnet stehen. Früher hätte man da einfach gesagt: "Tolle Stiefel!" In der heutigen woken Zeit riskieren Sie damit einen öffentlichen Shitstorm wegen "männlicher Übergriffigkeit".
Ehrlich gesagt war ich ein bisschen beleidigt, als mich neulich jemand fragte, ob ich denn überhaupt noch für den Playboy fotografieren würde. Ja, natürlich tue ich das. Nur bin ich halt nicht der Haus- und Hof-Fotograf, der in jeder Ausgabe vertreten ist. Manchmal sind es Monate, manchmal ein Jahr. So ist das eben.
Es fing harmlos an. Ich scrollte durch meinen eigenen Blog, eigentlich nur auf der Suche nach einem alten Artikel über Pornografie, als mein Blick an diesen kleinen Flaggen-Emojis hängenblieb. Diese pixeligen Fetzen, die aussehen wie die Wimpelkette eines Deutsch-Amerikanischen Freundschaftsfestes.
Ich wurde gerade von Google gelöscht. Nicht wegen dubioser Inhalte, sondern weil eine künstliche Intelligenz behauptet hat, auf meiner Website sei eine bestimmte OnlyFans-Creatorin zu sehen. Eine Frau, die ich weder kenne noch jemals fotografiert habe. Die KI hat zwei völlig unterschiedliche Personen verwechselt und daraus einen DMCA Claim gemacht.
Die Nachricht aus der Filmbranche kam überraschend: Der neue Bob-Dylan-Film "A Complete Unknown" wurde mit ISO 12800 gedreht. Was für viele nach technischem Wagnis klingen mag, war für mich als Fotograf eine willkommene Bestätigung.
Ein Bäcker backt jeden Tag Brötchen. Ich fasse manchmal wochenlang meine Kamera nicht an. Und jedes Mal dieses nagend-schlechte Gefühl: Sollte ich nicht auch täglich produzieren, wie ein ordentlicher Handwerker? Spoiler: Nein.
Manchmal muss man einfach etwas Verrücktes machen. So stand ich also in diesem kleinen Schreibwarengeschäft, einem dieser besonderen Läden, die aussehen, als wären sie aus einer anderen Zeit. Überall japanische Umschläge, handgeschöpfte Papiere, Bindfäden in allen erdenklichen Farben. Ein Paradies für jeden, der Haptik liebt.
Kürzlich bei einem Shooting musste ich wieder schmunzeln. "Darf mein Freund dabei sein?", fragte mich das Model am Telefon. Klar darf er, aber ich wusste schon, was passieren würde. Nach zwanzig Minuten würde sie mehr damit beschäftigt sein, seine Reaktionen zu lesen als meine Anweisungen.
Manchmal frage ich mich, ob ich der letzte Mohikaner bin. Seit 2009 produziere ich jedes Jahr meinen Aktkalender, während um mich herum die moralischen Zeigefinger immer höher recken. Ein fotografisches Relikt aus einer Zeit, als man noch unbekümmert die Schönheit des nackten Körpers feiern konnte. Bin ich ein Dinosaurier? Vielleicht. Aber einer, der sich weigert auszusterben.
Neulich am Flughafen. Ich stehe in der Schlange zur Sicherheitskontrolle und beobachte, wie vor mir ein Mann verzweifelt versucht, seinen Koffer umzupacken. "Die Powerbank muss ins Handgepäck", sagt der Sicherheitsmann mit der Strenge eines Grundschullehrers, der zum fünften Mal erklären muss, dass zwei plus zwei vier ergibt.
Sie kennen das: Ende November hängt Frankfurt in den Seilen. Grauer Himmel, erste Schneematsche, und die Vorstellung der Heizungsrechnung macht direkt schlechte Laune. Während andere sich in Winterdepression und Glühwein flüchten, packe ich meine Kameraausrüstung und verschwinde auf die Kanaren. Vom 27. November bis 12. Dezember verwandle ich Fuerteventuras Norden in mein persönliches Outdoor-Studio.
Es gibt sie, diese Momente in der Kunstgeschichte, die uns heute die Röte ins Gesicht treiben. Nicht etwa, weil wir prüde geworden wären — ganz im Gegenteil. Wir erröten, weil wir uns ertappt fühlen. Als hätten unsere Vorfahren uns dabei erwischt, wie wir heimlich durch ein Schlüsselloch spähen.
RSS Feed abonnieren