Und dann sah ich es: Fast jedes Modell hatte den Mund leicht geöffnet, als wollte sie gerade etwas sagen. Dieser Moment kurz vor dem nächsten Wort schafft eine geradezu erotische Spannung. Der Betrachter wird zum Gesprächspartner, zum Vertrauten. Der offene Mund verspricht Intimität, lädt ein zum Dialog, macht das statische Foto dynamisch.
Aber wie das oft so ist mit vermeintlich universellen Rezepten: Sie funktionieren leider nicht immer. Bei manchen Models wirkt der offene Mund gezwungen, unnatürlich, fast wie eine Karikatur ihrer selbst. Es geht also nicht darum, ein Schema stur zu wiederholen, sondern einen authentisch wirkenden Moment zu erwischen.
Meine Lösung? Ich serviere während des Shootings kleine Leckereien. "Das habe ich extra für dich besorgt", sage ich dann (was auch wirklich stimmt), und schon ist sie da, diese unbezahlbare Mischung aus Überraschung, vollem Mund und unvermeidlichem Lachen.
Manchmal erzähle ich auch einen albernen Witz: "Es klingelt an der Tür. Gegensprechanlage: Hallo, hier ist Umberto. Ich komme, um ihre Tochter zu vögeln. - Um was bitte? - Umberto!" Sowas bricht manchmal das Eis. Kann aber auch nach hinten losgehen. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt und deshalb haben Sie diesen Witz nicht von mir!
Kommunikation ist so wichtig. Ich rede viel während meiner Shootings. Nicht um die Stille zu füllen, sondern um eine Verbindung aufzubauen. Das Model vergisst für einen Moment die Kamera, wird zur Gesprächspartnerin. Der offene Mund kommt dann von ganz allein, natürlich, ungestellt, mitten in einer amüsanten Geschichte.