Nun ja, ich würde ja gerne. Wirklich. Die Dame hat zweifellos das gewisse Etwas, das gewisse Mehr an Präsenz, diese besondere Aura, die ein Foto von gut zu außergewöhnlich macht. Aber wie soll man eine professionelle Zusammenarbeit aufbauen, wenn zwischen Frage und Antwort so viel Zeit vergeht, dass man in der Zwischenzeit einen Olivenbaum pflanzen und die erste Ernte einfahren könnte?
Mein letzter Versuch einer Kontaktaufnahme datiert auf den Oktober zurück. Seither: Funkstille. Und jetzt, wie aus heiterem Himmel, dieses einsame Emoji. Ich kann mir schon vorstellen, wie der Rest der Kommunikation verlaufen würde — falls überhaupt. Zwischen meiner Antwort und ihrer Reaktion könnten vermutlich ganze Zivilisationen aufsteigen und wieder untergehen.
Dabei ist sie durchaus erfolgreich in ihrer digitalen Welt. Ihr OnlyFans-Account spült monatlich vermutlich mehr in die Kasse, als mancher Mittelständler im Quartal umsetzt. Kein Wunder, ihre Erfolgsformel ist ja auch denkbar simpel: Man nehme einen malerischen Ort, filme sich selbst beim Posieren, schneide geschickt auf Unterwäsche um — et voilà. Diese Kurzvideos scheinen wie digitales Kokain zu wirken. Die Zuschauer klicken sich in einen Rausch, der erst beim Abonnement ihres OnlyFans-Kanals seinen Höhepunkt findet.
Ich habe ihr höflich geantwortet, dass ich die Zusammenarbeit zwar sehr schätzen würde, aber eine gewisse kommunikative Grundfrequenz dafür unerlässlich sei. Vielleicht hätte ich es auch in Emoji-Form probieren sollen? Sanduhr, Kalender, schlafendes Gesicht, Fragezeichen. Aber ich bleibe dann doch lieber bei Worten — auch wenn sie manchmal länger brauchen, um ihr Ziel zu erreichen.