900 Euro für ein Buch?

900 Euro für ein Buch?

Sie wissen ja, wie das ist mit der Kunst. Eigent­lich gehört sie allen. Zumin­dest war das stets meine beschei­dene Über­zeugung, als ich meine Bild­bände in die Welt schickte. Limitiert zwar, aber nicht um künst­liche Verknap­pung zu schaffen, sondern weil es sich einfach richtig anfühlte. Wie bei einem guten Gespräch — irgendwann ist es zu Ende, und genau das macht es wertvoll.

Lesezeit: 2 Min.

Doch dann geschehen seltsame Dinge. Da scrolle ich nichts­ahnend durch eine Auktions­seite und verschlucke mich beinahe an meinem morgend­lichen Filter­kaffee: 900 Euro für meinen Bild­band "Frisky"? Haben Sie sich auch gerade verlesen? Nein, haben Sie nicht.

Natürlich schmeichelt es mir irgendwo, wenn mein eigenes Werk als 'wertvoll' eingestuft wird. Aber mal ehrlich: Kunst sollte doch berühren, nicht spekulieren.

Sie sollte Türen öffnen anstatt elitär zu sein. Wobei, viel­leicht sollte ich die Situation positiv sehen: Offenbar schaffen meine Bilder etwas, das Menschen als zeit­los wert­voll empfinden. Nur anders, als ich es mir vorge­stellt hatte.

Du bist jetzt ein Investment.

Das sagt mir ein Freund und grinst. Dabei wollte ich doch nur Kunst machen, die sich Menschen leisten, die sie wirklich lieben. Und nicht solche, die auf steigende Kurse setzen.

Apropos Kunst und Kurse: Wissen Sie, was das Ironischste ist? Fast alle meine Bücher sind signiert. Die unterschriebenen Exemplare erzielen bei Auktionen stets höhere Preise, dabei sind die un­signierten in echt viel seltener.

Dass ich überhaupt limitierte Auflagen mache, hat übrigens weniger mit Kunst­markt­strategie zu tun als mit simpler Logistik. Mein Lager kostet Miete. Und wenn ich zu viele Bücher in meine Wohnung packe, krieg ich Ärger mit der Statik.

Vielleicht ist es wie mit allem im Leben: Das wirklich Wertvolle ist begrenzt. Zeit. Liebe. Aufmerksamkeit.

Das mit den 900 Euro verstehe ich immer noch nicht ganz. Aber viel­leicht muss ich das auch gar nicht verstehen. Viel­leicht reicht es zu wissen, dass da draußen jemand meine Arbeit für wert­voll hält. Auf seine eigene, etwas merk­würdige Art.

Navigieren