Brüste, Po oder Füße: Biologie oder Bullshit?

Brüste, Po oder Füße: Biologie oder Bullshit?

Heute stolperte ich über eine Studie, die mich als Fotograf besonders interessierte: Forscher haben untersucht, warum Männer unterschiedliche weibliche Körperregionen bevorzugen. Die einen sind Team Brüste, die anderen Team Po. Das soll biologisch programmiert sein — und das merke ich täglich in meiner Arbeit.

Lesezeit: 3 Min.

Nehmen Sie Kalender: Brüste verkaufen sich einfach besser. Punkt. Große Brüste verkaufen sich 2026 immer noch besser als kleine, das ist Marktforschung pur. Dabei habe ich persönlich überhaupt keine Präferenz — aber darum geht es ja nicht. Ich muss verstehen, was meine Betrachter sehen wollen, sonst kann ich einpacken.

Die Wissenschaft liefert faszinierende Erklärungsversuche: Wurden Sie als Baby gestillt? Das könnte Ihre Brust-Präferenz beeinflusst haben, sagen manche Psychologen. Andere behaupten, es läge an Hormonen während der Pubertät oder an frühen visuellen Prägungen. Aber warum sprechen dann manche Männer primär auf einen prallen Hintern an? Die Evolutionsbiologen argumentieren mit Fruchtbarkeitssignalen — breitere Hüften, bessere Gebärfähigkeit und so weiter.

Dann gibt es da noch die Füße. Wenn ich nackte Frauenfüße fotografiere, weiß ich genau: Ein nicht unerheblicher Anteil der Männer fährt komplett darauf ab. Fußfetischismus ist eine der häufigsten Formen sexueller Vorlieben überhaupt. Neurologen vermuten, dass das daran liegt, wie Füße und Genitalien im Gehirn repräsentiert sind — benachbarte Regionen im somatosensorischen Kortex. Pure Verkabelung sozusagen.

Ist das alles oberflächlich? Natürlich zählen die inneren Werte am meisten, das steht außer Frage. Aber ich arbeite nun mal in einem visuellen Segment. Es geht ums Sehen, nicht um Persönlichkeit. Ich fotografiere Formen, die ansprechen, und muss mich dabei in meine Betrachter hineinversetzen. Das ist mein Job.

Die Kulturanthropologen haben eine andere Theorie, die mich nachdenklich macht: Was als attraktiv gilt, wird uns heute primär von den Medien vorgegeben. Kim Kardashian hier (ich weiß, sie ist eigentlich schon wieder "out", aber wer ist derzeit "in"?), Instagram-Models dort, überall die gleichen Körperformen in Dauerschleife. Weil diese Bilder so penetrant präsent sind, glauben wir Männer irgendwann, dass das unsere eigenen Vorlieben sind. Dabei haben die wenigsten von uns wirklich spezifische Präferenzen — wir übernehmen einfach, was uns als erstrebenswert verkauft wird.

Das macht meine Arbeit manchmal schwierig. Fotografiere ich, was ich für ästhetisch halte, oder das, was gerade medial gehypt wird? Folge ich den vermeintlich biologischen Programmierungen oder den aktuellen Trends?

Ehrlich gesagt frage ich mich oft: Warum gibt es überhaupt so verschiedene Vorlieben? Warum reagiert der eine Mann auf Brüste, der andere auf Hintern, der dritte auf Füße? Ist das wirklich Evolution, oder haben wir uns das alles nur eingeredet?

Wenn Sie mich nach meinen Vorlieben fragen, werden Sie enttäuscht sein. Für mich ist tatsächlich das Gesicht am wichtigsten. Hier läuft die eigentliche Kommunikation. Über die Augen, den Neigungswinkel des Kopfes, die Mundpartie. Es fasziniert mich immer wieder, wie viel ein paar Millimeter Veränderung in der Mimik ausmachen — und wie Augen Sehnsucht und Verlangen transportieren können, ohne ein Wort zu sagen. Aber das verkauft sich halt nicht so gut wie Brüste.

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