Such Dir ein Hobby

Such Dir ein Hobby

Neulich sagte meine Frau wieder diesen Satz, den sie gerne und oft wiederholt: "Such Dir mal ein Hobby." Ich musste schmunzeln, denn wie erklärt man jemandem, dass das gar nicht so einfach ist, wenn man sein Hobby zum Beruf gemacht hat? Die Fotografie ist nicht nur mein Beruf, sie ist meine Passion, meine ständige Begleiterin, sozusagen meine zweite Ehefrau — wobei ich das vielleicht besser nicht so formulieren sollte.

Lesezeit: 2 Min.

Von morgens bis abends, sieben Tage die Woche, dreht sich bei mir alles um die Fotografie. Selbst im Drogeriemarkt, wo ich eigentlich nur Zahnpasta kaufen wollte, bleibe ich wie hypnotisiert in der Make-up-Abteilung stehen.

Nicht etwa, weil ich mich für Lippenstifte interessiere, sondern weil mein Kopf sofort anfängt, Shooting-Ideen zu entwickeln. "Das Body Makeup mit Glitzer könnte interessant aussehen…"

Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich Touristen beobachte. Nicht etwa ihre Kleidung oder ihr Verhalten im Allgemeinen. Nein, ich studiere ihre Kameras und ihre Posing-Routinen. Besonders faszinierend finde ich die koreanischen Touristinnen vor dem Frankfurter Römer. Sie haben eine regelrechte Choreographie entwickelt: zwanzig bis dreißig Bilder, alle unterschiedlich, alle präzise durchkomponiert. Es ist wie eine Performance-Art vor historischer Kulisse.

Und genau an diesem Punkt wird mir klar:

Meine Frau hat recht. Verdammt, sie hat wirklich recht.

Es wäre tatsächlich gesund für meinen Kopf, auch mal abzuschalten. Etwas anderes zu tun. Vielleicht Oldtimer sammeln oder Modellflugzeuge bauen. Wobei, nein, das würde vermutlich wieder in Fotoshootings enden.

Was mich besonders nachdenklich macht, sind die E-Mails, die ich regelmäßig bekomme. Menschen schreiben mir, dass sie "so werden wollen wie ich". Es ist mir fast ein bisschen peinlich, das zu erwähnen, aber es ist wahr.

Und genau diesen Menschen möchte ich zurufen: Bleibt bei der Fotografie als Hobby! Macht diesen wunderbaren Zeitvertreib nicht zu eurem Beruf!

Als Hobby ist die Fotografie perfekt. Man kann sie ausüben, wann man will, kann experimentieren, ohne Druck, ohne Termine, ohne dass der Kunde am nächsten Tag die Bilder braucht. Man kann sie genießen wie einen guten Wein. Nur in Maßen und zu besonderen Gelegenheiten.

Und nicht wie ich, der den ganzen Tag in der Weinfabrik arbeitet und abends nicht mehr weiß, ob das nun ein Riesling oder ein Grauburgunder war.

Vielleicht sollte ich wirklich mal über ein neues Hobby nachdenken. Aber erst muss ich noch schnell diese eine Idee mit dem glitzernden Body Makeup umsetzen.

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