Mein Kampf gegen digitalen Bildklau

Mein Kampf gegen digitalen Bildklau

Die Mail landet wie ein Keulenschlag in meinem Post­fach: "Ihre Bilder wurden auf einer russischen Website entdeckt." Natürlich ohne Genehmigung, ohne Credit, ohne jeg­lichen Respekt vor der kreativen Arbeit. Wieder einmal. Man könnte meinen, ich hätte mich längst daran ge­wöhnt, aber dieser digitale Vandalismus trifft mich jedes Mal aufs Neue.

Lesezeit: 3 Min.

Wissen Sie, was mich dabei am meisten verstört? Diese un­glaub­liche Selbst­verständ­lich­keit, mit der sich manche Menschen im Internet bedienen. Als wäre jedes Bild, das sich speichern lässt, auto­matisch Freiwild. "Right click, save as" — und schon glauben sie, sie besäßen die Rechte an einer künst­lerischen Arbeit, in die ich nicht nur Zeit und Geld, sondern vor allem Herz­blut investiert habe.

Dabei geht es längst nicht nur um mich. Als Fotograf trage ich auch Ver­antwortung gegen­über meinen Modellen. Wir arbeiten in einem be­sonderen Vertrauens­verhältnis, regeln ver­traglich die Verwendung der Bilder.

Und dann tauchen diese plötz­lich auf zweifel­haften Websites in China, Russland, Indien oder der Ukraine auf, völlig aus dem Kon­text gerissen, manch­mal sogar in fragwürdigen Zusam­men­hängen.

Sicher, ich bin nicht wehrlos. Mit Unterstützung meines auf Medien­recht spezia­lisierten Anwalts gehe ich kon­sequent gegen solche Verstöße vor. Google's DMCA Claim Report ist dabei zu einem treuen Be­gleiter geworden. Wenn auch zu einem, auf den ich gerne ver­zichten würde. Doch es fühlt sich an wie ein nicht enden wollender Kampf gegen Wind­mühlen. Kaum ist eine Website vom Netz, tauchen die Bilder woanders wieder auf.

Muss man wirklich Jura studiert haben, um zu verstehen, dass man die Arbeit anderer Menschen nicht einfach klauen sollte?

Manchmal höre ich den gut gemeinten Rat: "Nimm es als Kom­pliment. Neid muss man sich verdienen." Aber darum geht es nicht. Es geht um Respekt vor kreativer Arbeit, um die Würdigung des künst­lerischen Prozesses. Jedes Shooting ist eine intensive Zusam­menarbeit, ein Vertrauens­beweis, eine gemeinsame Reise zu ausdrucks­starken Bildern. Wenn dieser kreative Entstehungs­prozess dann von anderen mit einem simplen Rechts­klick gestohlen wird, fühlt sich das wie ein Schlag ins Gesicht an.

Die "Copy and Paste"-Mentalität schadet letztlich uns allen. Sie entwertet nicht nur die Arbeit von Kreativen, sondern gefährdet auch die Bereit­schaft von Models, sich auf künst­lerische Projekte einzulassen. Denn wer möchte schon be­fürchten müssen, dass sorgsam kuratierte Auf­nahmen plötzlich in dubiosen Ecken des Internets auftauchen?

Vielleicht klingt das alles ein wenig idealistisch. Aber ich bin der festen Über­zeugung, dass kreative Arbeit Wert­schätzung verdient und zwar nicht nur in Form von Likes und Shares, sondern vor allem in Form von Respekt vor den Rechten der Urheber. Ist das wirklich zu viel verlangt?

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