Wissen Sie, was mich dabei am meisten verstört? Diese unglaubliche Selbstverständlichkeit, mit der sich manche Menschen im Internet bedienen. Als wäre jedes Bild, das sich speichern lässt, automatisch Freiwild. "Right click, save as" — und schon glauben sie, sie besäßen die Rechte an einer künstlerischen Arbeit, in die ich nicht nur Zeit und Geld, sondern vor allem Herzblut investiert habe.
Dabei geht es längst nicht nur um mich. Als Fotograf trage ich auch Verantwortung gegenüber meinen Modellen. Wir arbeiten in einem besonderen Vertrauensverhältnis, regeln vertraglich die Verwendung der Bilder.
Und dann tauchen diese plötzlich auf zweifelhaften Websites in China, Russland, Indien oder der Ukraine auf, völlig aus dem Kontext gerissen, manchmal sogar in fragwürdigen Zusammenhängen.
Sicher, ich bin nicht wehrlos. Mit Unterstützung meines auf Medienrecht spezialisierten Anwalts gehe ich konsequent gegen solche Verstöße vor. Google's DMCA Claim Report ist dabei zu einem treuen Begleiter geworden. Wenn auch zu einem, auf den ich gerne verzichten würde. Doch es fühlt sich an wie ein nicht enden wollender Kampf gegen Windmühlen. Kaum ist eine Website vom Netz, tauchen die Bilder woanders wieder auf.
Muss man wirklich Jura studiert haben, um zu verstehen, dass man die Arbeit anderer Menschen nicht einfach klauen sollte?
Manchmal höre ich den gut gemeinten Rat: "Nimm es als Kompliment. Neid muss man sich verdienen." Aber darum geht es nicht. Es geht um Respekt vor kreativer Arbeit, um die Würdigung des künstlerischen Prozesses. Jedes Shooting ist eine intensive Zusammenarbeit, ein Vertrauensbeweis, eine gemeinsame Reise zu ausdrucksstarken Bildern. Wenn dieser kreative Entstehungsprozess dann von anderen mit einem simplen Rechtsklick gestohlen wird, fühlt sich das wie ein Schlag ins Gesicht an.
Die "Copy and Paste"-Mentalität schadet letztlich uns allen. Sie entwertet nicht nur die Arbeit von Kreativen, sondern gefährdet auch die Bereitschaft von Models, sich auf künstlerische Projekte einzulassen. Denn wer möchte schon befürchten müssen, dass sorgsam kuratierte Aufnahmen plötzlich in dubiosen Ecken des Internets auftauchen?