Eine faszinierende Überschrift, die mich nicht mehr loslässt, seit ich über die Beatles las. Stellen Sie sich vor: Ein einziger Tag im Studio und das komplette erste Album ist im Kasten. Pure Intuition, pures Gefühl — und ein Ergebnis, das Musikgeschichte schrieb.
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Es ist kurz nach Mitternacht und ich sitze mit dem MacBook im Bett. Klingt nach einem dieser Momente, wo man sich selbst beim Denken zusieht, oder? Dabei bin ich eigentlich kein Typ für nächtliche Grübeleien. Aber manchmal, da muss es raus. Dieses diffuse Gefühl, dass mir die Welt gerade zwischen den Fingern hindurchrutscht. Als würde jemand die Abspielgeschwindigkeit auf 1,5x gestellt haben, während ich noch versuche, bei normaler Geschwindigkeit mitzukommen.
Internationale Ausgaben von Vogue und Elle stapelten sich auf meinem Schreibtisch. Stundenlang studierte ich die Bildstrecken, suchte nach dem Geheimnis ihrer Faszination. Was macht diese Fotos so magnetisch, so unwiderstehlich lebendig?
Manchmal kauft man sich eine Uhr, weil sie aussieht wie ein James Bond Gadget aus den Achtzigern. Schwarzes Plastik, viele kleine Knöpfe, mysteriöse Symbole auf dem Display — und dann diese eine Funktion, die einen wie einen Zwölfjährigen kichern lässt: Gezeitenvorhersage. Nach einer Reise nach El Cotillo weiß ich: Sie liegt etwa zwei Stunden daneben, aber für den groben Überblick reicht's völlig.
Die digitale Kommunikation hat ja durchaus ihre Tücken. Heute Morgen erreichte mich eine Nachricht von einem bekannten Model — wenn man das überhaupt als Nachricht bezeichnen kann. Ein einzelnes Emoji, diese kleine Figur mit erhobenem Arm, wie ein eifriger Schüler kurz vor dem Pausenklingeln. Der digitale Fingerzeig sollte wohl bedeuten: "Hier, ich will auch nach Ibiza!"
Ich hatte als Kind diese Wimmelbilder. Stundenlang konnte ich darin verschwinden, Details suchen, Geschichten zwischen den gezeichneten Figuren erfinden. Vielleicht hätte ich KI-Kompositionen lieben müssen. Tue ich aber nicht.
Als Fotograf träume ich von großen Bildern. Von Fotos, die atmen können. Doch dann meldet sich die Layout-Abteilung, und plötzlich muss das fotografische Meisterwerk in ein Korsett gezwängt werden, das so gar nicht seiner natürlichen Form entspricht.
Neulich sagte meine Frau wieder diesen Satz, den sie gerne und oft wiederholt: "Such Dir mal ein Hobby." Ich musste schmunzeln, denn wie erklärt man jemandem, dass das gar nicht so einfach ist, wenn man sein Hobby zum Beruf gemacht hat? Die Fotografie ist nicht nur mein Beruf, sie ist meine Passion, meine ständige Begleiterin, sozusagen meine zweite Ehefrau — wobei ich das vielleicht besser nicht so formulieren sollte.
Es ist mal wieder soweit. Ein neues Jahr hat begonnen, und so sitze ich da mit meinem Kaffee und scrolle durch meinen Kalender. Ein paar Shootings sind schon eingetragen. Februar: Teneriffa. Mai: vielleicht Paris. Aber dazwischen? Löcher. Große, weiße Löcher, die darauf warten, gefüllt zu werden.
Manchmal muss ich zweimal hinschauen, wenn ich realisiere, wie sich die Arbeit mit Models in den letzten Jahren verändert hat. Nicht etwa wegen neuer Kameratechnik oder ausgefeilter Beleuchtung, sondern wegen etwas viel Grundlegenderem: der Art, wie die jüngere Generation Beziehungen lebt und damit Geld verdient.
Manchmal passieren die merkwürdigsten Dinge, wenn man einfach nur dasitzt und in die Gegend starrt. So wie gestern, als ich in meinem Wohnzimmer hockte und dieses Bild an der Wand anstarrte. Nicht besonders aufmerksam, eher so nebenbei, wie man eben Dinge anschaut, die schon lange da hängen. Und plötzlich traf mich dieser Gedanke wie ein kleiner elektrischer Schlag: Ist das eigentlich wirklich meins?
Heute wird es persönlich. Fast nie erzähle ich solche Geschichten, aber dieses eine Shooting verdient eine Ausnahme. Es geht um Julene, die Frau mit dem Tattoo "Fighter" auf dem Hüftknochen.
Seit Tagen beschäftigt mich eine Nachricht. "Die Kontraste sind falsch", schreibt mir jemand. Einfach so. Vier Worte, die mich ins Grübeln bringen. Nicht weil ich an meiner Arbeit zweifle, sondern weil sie so viel aussagen über unser Verständnis von Kunst.
Petra hat Geburtstag. Ich habe ein schönes Foto von ihr, aufgenommen vor wenigen Wochen während unseres Shootings auf Fuerteventura. Sie trägt Unterwäsche, kniet auf einem Sofa, schaut zum Fenster. Kein Nippel, keine provokante Pose, nichts, was man nicht auch in jeder Parfümerie-Auslage oder an jedem Bahnhofskiosk sehen würde. Also poste ich das Bild auf Instagram mit dem Text "Happy Birthday" und denke mir dabei: nichts.
Gestern erwischte ich mich dabei, wie ich mit der Maus auf eine grüne Fläche klickte. Immer und immer wieder. Nicht etwa, weil ich einen neuen Bildbearbeitungs-Trend entdeckt hätte, sondern weil ich meiner Reaktionszeit auf den Grund gehen wollte. Das Ergebnis? Ernüchternd. 310 Millisekunden im Durchschnitt, Tendenz steigend.
8 Uhr morgens. Nach zwei Tagen Fotoproduktion, steige ich in Ibiza in den Flieger nach Hause, freue mich auf meine Frau. Doch erstmal muss ich heulen. Es bricht einfach aus mir raus. Zum Glück habe ich die gesamte Sitzreihe für mich allein. Warum ich? Warum hört es nicht auf?
Neulich habe ich zehn Minuten auf ein Bild gestarrt. Zehn Minuten, in denen ich jedes Detail seziert habe wie ein Pathologe bei der Obduktion: Die Baumreihen mit ihrer korrekten Herbstfärbung. Das verwitterte Schachbrett mit rissigen Fugen zwischen den Platten. Die warmgelben Laternen und ihre Lichtreflexe auf dem Schachbrett rechts. Dazu der extrem flache, schwarze Lamborghini Countach am linken Bildrand. Ich hätte nicht sagen können, ob es ein Foto oder KI war.
Sie wissen ja, wie das ist mit der Kunst. Eigentlich gehört sie allen. Zumindest war das stets meine bescheidene Überzeugung, als ich meine Bildbände in die Welt schickte. Limitiert zwar, aber nicht um künstliche Verknappung zu schaffen, sondern weil es sich einfach richtig anfühlte. Wie bei einem guten Gespräch — irgendwann ist es zu Ende, und genau das macht es wertvoll.
Heute stolperte ich über eine Studie, die mich als Fotograf besonders interessierte: Forscher haben untersucht, warum Männer unterschiedliche weibliche Körperregionen bevorzugen. Die einen sind Team Brüste, die anderen Team Po. Das soll biologisch programmiert sein — und das merke ich täglich in meiner Arbeit.
Es gibt diese Menschen, die irgendwann aufwachen und merken: Das hier ist nicht mein Leben. Bei Nausicaa Yami passierte das ausgerechnet während einer globalen Pandemie, als die Welt stillstand und sie plötzlich Zeit hatte nachzudenken. Acht Jahre lang hatte sie als Pastry Chef gearbeitet. Kuchendesignerin — ein ordentlicher Beruf, würden die Eltern sagen. Nur dass ein Lockdown dieses Kapitel schloss.
Zurück aus Fuerteventura, sitze ich am Schreibtisch und signiere die letzten Exemplare meines Mellow-Bildbands. Folie auf, durchblättern, Autogramm auf Seite 5, fertig.
Ich bin auf Social Media ein Geisterfahrer. Verbrachte dort nie viel Zeit, verstehe den Hype nicht wirklich. Bei Fotos anderer werde ich nur neidisch, fühle mich als Fotograf klein. Tun mir also nicht gut, die Plattformen.
Die EU hat beschlossen, dass wir künftig kennzeichnen müssen, wenn Bilder mit KI erstellt oder bearbeitet wurden. Ab August 2026 ist es dann so weit. Der EU AI Act will Transparenz schaffen, Täuschung verhindern, das Vertrauen in visuelle Medien zurückgewinnen. Klingt vernünftig, oder?
Ein Model mit Top-Figur, perfektem Make-up und einer Frisur von der Stange — diese Situation erlebe ich häufiger, als mir lieb ist. Dabei sind die Haare doch kein schmückendes Beiwerk, sondern der stärkste Verbündete vor der Kamera.
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