Ein Aktfotograf, der seit der ersten Staffel GNTM schaut, kaum eine Episode verpasst hat und das Programm, wenn er ehrlich ist, sogar gerne sieht. Ich verstehe, wenn Sie jetzt kurz innehalten. Ich auch.
Weiterlesen ›
Ich frage Thomas Berlin beiläufig, wie es mit seinem Buchprojekt läuft. So wie man eben fragt, wenn man ein halbes Jahr nichts gehört hat und höflich Interesse zeigt. Seine Antwort: Die Spedition kommt heute. Die Bücher sind da.
Manchmal vergesse ich, wie dumm Menschen sein können. Nicht im Sinne von intellektueller Unterlegenheit, sondern in der spektakulären Fähigkeit, die offensichtlichsten Zusammenhänge zu ignorieren.
Neulich stand ich im Museum of Modern Art vor einer Fotografie von Thomas Demand. Bürostühle, Schreibtische, Papiere — so spannend wie das Warten beim Einwohnermeldeamt, dachte ich zunächst. Mein Blick wanderte bereits zur Tür und zum verheißungsvollen Museumsshop dahinter, als ich eher pflichtbewusst als interessiert die Beschreibung las. Und dann traf es mich wie der sprichwörtliche Blitz.
Neulich beim Durchsehen meiner Behind-the-Scenes-Videos für Patreon fiel mir etwas auf, das mich seitdem beschäftigt. Ich habe mich zum ersten Mal wirklich selbst bei der Arbeit gesehen. Nicht nur das Ergebnis, sondern mich, wie ich fotografiere. Und ehrlich gesagt war ich ein bisschen erschrocken.
Ich arbeite am liebsten mit natürlichem Licht. Immer. Überall. Das ist meine Religion. Aber das Wetter? Das Wetter ist Atheist und schert sich einen Dreck um meinen Glauben.
Flughafen Fuerteventua. Zwischen müden Touristen und Familien mit quengelnden Kindern steht sie — frisch aus Barcelona eingeflogen, das neue Gesicht für meine Inselserie. Groß, selbstbewusst, mit diesem Blick, der sofort Kamerabereitschaft signalisiert. Nach dem obligatorischen Smalltalk auf der Fahrt kommt der für sie vermutlich langweiligste, für mich aufschlussreichste Teil unserer Zusammenarbeit: der gemeinsame Einkauf.
Es war ein befreiendes Gefühl, muss ich sagen. X und Facebook von meinem Handy gelöscht. Einfach weg damit. Diese permanenten Ablenkungen, die sich anfühlen wie ein nervöser Tick, den man sich irgendwann angewöhnt hat.
Kennen Sie dieses Gefühl noch? Als Kind aus dem Kino zu taumeln, irgendwie benommen und berauscht, mit einem Kopf voller magischer Bilder und dem untrüglichen Gefühl, gerade in einer anderen Welt gewesen zu sein? Ich kann mich noch gut erinnern, wie mich Kinobesuche in meiner Kindheit regelrecht in einen Trancezustand versetzt haben. Nach dem Film brauchte ich immer etwas Zeit, um wieder in der Realität anzukommen.
Drei Jahre und sieben Monate. So lange war mein letztes Portrait von mir her. Ich habe das nicht selbst gezählt, das hat mir die Foto-Software verraten, als ich nach dem Bild suchte. Und ja, ich musste tatsächlich suchen.
Kaum aus Teneriffa zurück, klingelt es an meiner Tür. Und gleich nochmal. Der DHL-Bote gehört offensichtlich nicht zu der Sorte Mensch, die geduldig auf das Schicksal wartet. Ich auch nicht, aber ich hatte immerhin einen Mittelstreckenflug hinter mir.
Alle paar Monate gibt es diesen Moment, wenn ich meinen Art Shop neu bestücke. Ich sitze vor meinem Archiv, scrolle durch tausende Aufnahmen, und dann wird mir wieder bewusst: Ein gutes Foto ist nicht automatisch ein gutes Wandbild.
Eine faszinierende Überschrift, die mich nicht mehr loslässt, seit ich über die Beatles las. Stellen Sie sich vor: Ein einziger Tag im Studio und das komplette erste Album ist im Kasten. Pure Intuition, pures Gefühl — und ein Ergebnis, das Musikgeschichte schrieb.
Es ist kurz nach Mitternacht und ich sitze mit dem MacBook im Bett. Klingt nach einem dieser Momente, wo man sich selbst beim Denken zusieht, oder? Dabei bin ich eigentlich kein Typ für nächtliche Grübeleien. Aber manchmal, da muss es raus. Dieses diffuse Gefühl, dass mir die Welt gerade zwischen den Fingern hindurchrutscht. Als würde jemand die Abspielgeschwindigkeit auf 1,5x gestellt haben, während ich noch versuche, bei normaler Geschwindigkeit mitzukommen.
Internationale Ausgaben von Vogue und Elle stapelten sich auf meinem Schreibtisch. Stundenlang studierte ich die Bildstrecken, suchte nach dem Geheimnis ihrer Faszination. Was macht diese Fotos so magnetisch, so unwiderstehlich lebendig?
Manchmal kauft man sich eine Uhr, weil sie aussieht wie ein James Bond Gadget aus den Achtzigern. Schwarzes Plastik, viele kleine Knöpfe, mysteriöse Symbole auf dem Display — und dann diese eine Funktion, die einen wie einen Zwölfjährigen kichern lässt: Gezeitenvorhersage. Nach einer Reise nach El Cotillo weiß ich: Sie liegt etwa zwei Stunden daneben, aber für den groben Überblick reicht's völlig.
Die digitale Kommunikation hat ja durchaus ihre Tücken. Heute Morgen erreichte mich eine Nachricht von einem bekannten Model — wenn man das überhaupt als Nachricht bezeichnen kann. Ein einzelnes Emoji, diese kleine Figur mit erhobenem Arm, wie ein eifriger Schüler kurz vor dem Pausenklingeln. Der digitale Fingerzeig sollte wohl bedeuten: "Hier, ich will auch nach Ibiza!"
Ich hatte als Kind diese Wimmelbilder. Stundenlang konnte ich darin verschwinden, Details suchen, Geschichten zwischen den gezeichneten Figuren erfinden. Vielleicht hätte ich KI-Kompositionen lieben müssen. Tue ich aber nicht.
Als Fotograf träume ich von großen Bildern. Von Fotos, die atmen können. Doch dann meldet sich die Layout-Abteilung, und plötzlich muss das fotografische Meisterwerk in ein Korsett gezwängt werden, das so gar nicht seiner natürlichen Form entspricht.
Neulich sagte meine Frau wieder diesen Satz, den sie gerne und oft wiederholt: "Such Dir mal ein Hobby." Ich musste schmunzeln, denn wie erklärt man jemandem, dass das gar nicht so einfach ist, wenn man sein Hobby zum Beruf gemacht hat? Die Fotografie ist nicht nur mein Beruf, sie ist meine Passion, meine ständige Begleiterin, sozusagen meine zweite Ehefrau — wobei ich das vielleicht besser nicht so formulieren sollte.
Es ist mal wieder soweit. Ein neues Jahr hat begonnen, und so sitze ich da mit meinem Kaffee und scrolle durch meinen Kalender. Ein paar Shootings sind schon eingetragen. Februar: Teneriffa. Mai: vielleicht Paris. Aber dazwischen? Löcher. Große, weiße Löcher, die darauf warten, gefüllt zu werden.
Manchmal muss ich zweimal hinschauen, wenn ich realisiere, wie sich die Arbeit mit Models in den letzten Jahren verändert hat. Nicht etwa wegen neuer Kameratechnik oder ausgefeilter Beleuchtung, sondern wegen etwas viel Grundlegenderem: der Art, wie die jüngere Generation Beziehungen lebt und damit Geld verdient.
Manchmal passieren die merkwürdigsten Dinge, wenn man einfach nur dasitzt und in die Gegend starrt. So wie gestern, als ich in meinem Wohnzimmer hockte und dieses Bild an der Wand anstarrte. Nicht besonders aufmerksam, eher so nebenbei, wie man eben Dinge anschaut, die schon lange da hängen. Und plötzlich traf mich dieser Gedanke wie ein kleiner elektrischer Schlag: Ist das eigentlich wirklich meins?
Heute wird es persönlich. Fast nie erzähle ich solche Geschichten, aber dieses eine Shooting verdient eine Ausnahme. Es geht um Julene, die Frau mit dem Tattoo "Fighter" auf dem Hüftknochen.
RSS Feed abonnieren