Nackte Haut und unerwartete Entdeckungen

Nackte Haut und unerwartete Entdeckungen

Es gibt diese Momente beim Fotografieren, die mich immer wieder begeistern: Wunderschöne Natur trifft auf weibliche Schönheit, und plötzlich entsteht eine zauberhafte Verbindung. Vor allem bei meinen Shootings auf Ibiza liebe ich es, wenn die mediterranen Wildpflanzen für zusätzliche Textur im Bild sorgen. Es gibt dort so tolle, wilde Blumenwiesen! Doch manchmal verstecken sich hinter romantischen Namen wie "Wilde Möhre" auch unerwartete Eigenschaften.

Lesezeit: 3 Min.

Bei einem meiner letzten Shootings auf Ibiza pflückte ich zufällig eine Wilde Möhre — diese hübsche weiße Doldenblüte mit dem charak­teris­tischen dunklen Punkt in der Mitte. Ich hielt sie vor die Linse, um ein verschwom­menes Vorder­grund­element zu schaffen. Harmlos, dachte ich. Dass ich dabei mit einer photo­toxischen Pflanze hantierte, war mir nicht bewusst.

Daucus carota
Wir hatten diese Pflanzen direkt um uns herum

Aber was bedeutet eigentlich "phototoxisch"? Der Begriff bezeichnet eine tückische Eigenschaft bestimmter Pflanzen. Sie enthalten chemische Verbindungen, hauptsächlich Furocumarine, die erst in Kombination mit UV-Licht ihre Wirkung auf der Haut entfalten. Eine Art natürliche Photochemie: Pflanzensaft plus Sonnenlicht ergibt Hautreaktion. Als jemand mit heller Haut bin ich dafür besonders empfänglich, auch wenn mir glücklicherweise nichts passiert ist.

Die Wilde Möhre (Aegopodium Daucus carota) gehört zum Glück zu den milderen Vertretern dieser phototoxischen Gruppe. Ihre Wirkung ist meist moderat, kann aber dennoch unangenehm sein, wenn Pflanzensaft auf die Haut gelangt und die Sonne darauf scheint.

Der wahre Hauptdarsteller in der Welt der phototoxischen Pflanzen ist jedoch der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum). Im Gegensatz zur zierlichen Wilden Möhre ist er ein wahres Pflanzen-Monster.

Er wird drei bis vier Meter hoch. Sein Stängel ist dick, oft handgelenk- bis armstark, mit charakteristischen purpurroten Flecken und Borsten besetzt. Die Blätter sind beeindruckend groß, können bis zu 1-2 Meter breit werden und sind tief einge­schnitten. Die weißen Blütendolden erreichen einen Durchmesser von 30-50 cm und erinnern an gewaltige, aufgespannte Regenschirme.

Gefährliche Pflanze

Typischerweise findet man ihn an feuchten Standorten wie Bachufern, Waldlichtungen oder auf Brachflächen, oft in Kolonien wachsend. Im Frühjahr ist er einer der ersten, der richtig in die Höhe schießt und dadurch ins Auge fällt. Man kann ihn leicht mit dem Engelwurz verwechseln, doch sein massiveres Erscheinungsbild und die charakteristischen roten Flecken sind gute Erkennungsmerkmale.

Das Gefährliche am Riesen-Bärenklau: Seine phototoxische Wirkung ist dramatisch stärker als die der Wilden Möhre. Der Pflanzensaft kann zu schweren Verbrennungen führen, die wie Brandblasen aussehen und mehrere Wochen brauchen, um abzuheilen. Besonders tückisch: Manchmal bleiben die betroffenen Hautstellen jahrelang lichtempfindlich und reagieren bei erneutem Sonnenkontakt wieder mit Rötungen und Entzündungen. Kontakt mit dem Auge kann zum Erblinden führen. Quasi der Albtraum eines Fotografen.

Es lohnt sich also, ein Auge auf die umgebende Vegetation zu haben. Besonders wenn ich mit Aktmodellen in der Natur arbeite, wo viel Haut in direkten Kontakt mit Pflanzen kommen kann.

Ich war echt platt, als ich eben zufällig über diese Pflanzen las und das alles nochmal recherchiert habe. Als ich auf Ibiza war, hatte ich keine Vorstellung, dass Pflanzen so gefährlich sein können. Zum Glück ist nichts passiert.

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