Eine Lampe reicht

Eine Lampe reicht

Ich habe es jahrelang falsch gemacht. Licht frontal, Kamera frontal, alles schön gleichmässig ausgeleuchtet. Das Ergebnis war einfach langweilig. Keine Schatten, keine Tiefe, kein Charakter. Irgendwann fiel der Groschen: Das Problem war nicht die Technik, sondern wo ich sie hingestellt hatte.

Lesezeit: 2 Min.

Die Lösung ist lächerlich einfach. Eine einzige Lichtquelle, seitlich versetzt im 45-Grad-Winkel, leicht oberhalb der Augenhöhe, nach unten gerichtet. Fertig. Weil Fensterlicht genauso fällt, sieht es natürlich aus. Wir sind es gewohnt. Ich verwende dafür ein Zhiyun Molus G60, ein kompaktes LED-Dauerlicht mit stufenlos einstellbarer Farbtemperatur. Dazu eine Softbox als Lichtformer, damit die Schatten weich bleiben.

Der eigentliche Trick: Die Kamera filmt von der Schattenseite. Die dem Licht abgewandte Gesichtshälfte nimmt im Bild mehr Fläche ein als die beleuchtete. Klingt falsch, sieht aber richtig aus. Das Licht modelliert das Gesicht, gibt ihm Kontur und Dreidimensionalität. Genau das Gegenteil von dem, was ich früher gemacht habe.

Eine kleine Lampe im Hintergrund (eine Nachttischlampe reicht völlig) verhindert, dass alles hinter der Person absäuft. Kein grosser Aufwand, aber der Unterschied zwischen "geht so" und "sieht gut aus".

Meine Interviews sind kurz. Ich drucke mir die Fragen vorher aus, lese sie dem Model vor und bin später weder im Bild noch zu hören. Damit das funktioniert, bitte ich das Model, die Frage in der Antwort aufzugreifen. Statt einfach "Zumba und True Crime" zu sagen, antwortet sie: "Meine Hobbies sind Zumba tanzen und True-Crime-Podcasts hören." So ergibt der Clip auch ohne meine Stimme Sinn.

Das Model schaut dabei zu mir, nicht in die Kamera. Ich sitze nah an der Kamera, leicht seitlich versetzt. So entsteht ein natürlicher Blickwinkel, der dem Zuschauer das Gefühl gibt, einem Gespräch beizuwohnen.

Eine Lampe, eine Kamera. Mehr braucht es nicht.

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