X zeigt mir mittlerweile nur noch Video-Schnipsel. So eine Art TikTok für Leute, die behaupten, sie seien zu alt für TikTok. Autounfälle, KI-generierte Katastrophen (gebrochene Dach-Pools, aus denen Wasser samt badenden Menschen einen Wolkenkratzer hinunterstürzt), alberne Jugendstreiche, die heute Pranks heißen, damit sie wichtiger klingen. Allerlei Mist eben, den ich nicht sehen will. Ist Ihnen das auch schon aufgefallen? Diese Algorithmen können überhaupt nicht einschätzen, in welcher Bubble man sich bewegt. Oder vielleicht können sie es, und es ist ihnen schlicht egal.
Facebook ist auch nicht besser. Ich produziere drei Wochen auf Fuerteventura und prompt besteht mein Feed nur noch aus Urlaubsfotos mir völlig fremder Menschen, die Fuerte besucht haben. Warum bitte? Weil ich geografisch dort war? Ich fotografiere dort professionell, ich mache keinen Urlaub. Aber der Algorithmus scheint keinen Unterschied zu kennen zwischen Arbeit und Freizeit, zwischen Interesse und Zufall.
Also weg damit. Es tut mir tatsächlich gut.
Aber Instagram, das würde ich auch so gerne loswerden. Geht aber nicht. Und Instagram würde mich vermutlich auch gerne loswerden, wenn ich ehrlich bin. Weil ich Aktfotograf bin und damit unbeliebt, obwohl ich keine Nacktheit poste. Irgendwie schmecke ich denen nicht. Aber ich bleibe noch. Denn auf Insta tummeln sich die Modelle. Für sie ist es leider das Mekka, die zentrale Anlaufstelle, der digitale Marktplatz. Das nervt komplett.
Ich kann dort nicht nach Verfügbarkeit filtern, nicht nach Orten suchen, nicht vernünftig kommunizieren. Und da ich keine Nacktheit zeigen darf (was für ein Widerspruch bei einer Plattform voller Bikini-Content), wissen die Models nicht einmal, dass ich kein Mode-Fotograf bin, sondern seit Jahren für den Playboy arbeite. Schwierig also, diese ganze Situation.
Was habe ich getan? So vielen Accounts wie nur möglich entfolgt. Jetzt sind es nur noch etwas mehr als zweihundert. Klingt einfach, war es aber nicht. Instagram möchte nämlich nicht, dass man Accounts entfolgt. Ich musste es bis zu drei Mal pro Account bestätigen. Und es durfte nicht zu schnell gehen, nicht zu viele pro Tag. Absolut gestört, wie diese Plattform versucht hat, meine Following-Zahl hochzuhalten, als wäre das eine Art Punktestand in einem Spiel, das niemand gewinnen kann.
Gut, ich habe es jetzt geschafft. Nur bedeutet es eben auch, dass es für mich überhaupt nicht mehr funktioniert. Mit Shadow Ban versehen (das ist so ein halboffizieller Zustand, in dem man existiert, aber eigentlich nicht existiert), finden mich kaum neue Modelle. Und wenn ich welche entdecke, landen meine Nachrichten an sie tief in irgendeinem "Anfrage"-Ordner zwischen dummen Anmachen von irgendwelchen "Männern" (ja, das muss ich wirklich in Anführungszeichen schreiben).
