Inspiration ist ja kein Wasserhahn, den man aufdreht. Sie kommt, wann sie will, und meistens aus einer Richtung, aus der man sie nicht erwartet hat.
Zum Beispiel: Miami Vice. Eine Serie, die ich als Kind nicht sehen durfte, weil meine Eltern der Meinung waren, dass Drogen und Schusswaffengebrauch kein geeignetes Abendprogramm für einen Neunjährigen sind. Meine Eltern hatten, rückblickend, nicht immer unrecht. Trotzdem hat sich dieses Miami in meinen Kopf eingebrannt, aus Fragmenten zusammengesetzt, aus dem, was man so aufschnappt, wenn man zu jung ist, um dabei zu sein, aber alt genug, um neugierig zu sein. Männer in Anzügen ohne Krawatte. Schnelle Autos mit noch schnelleren Silhouetten. Meer. Sonnenuntergang in einem Rotton, der im echten Leben eigentlich verboten gehört. Schauen sie selbst:
Credits
Music: Switch 625: Def Leppard - High 'N' Dry
via Thergothon1
Das nächtliche Fahren, frisch polierte Karosserie, Spiegelungen im Lack, die ganze Welt auf Hochglanz gebracht und dabei irgendwie trotzdem melancholisch. Das ist das Bild, das mich nicht loslässt. Nicht die Handlung, nicht die Dialoge, nicht einmal die Charaktere wirklich, sondern diese Ästhetik des kontrollierten Glanzes, die gleichzeitig so unglaublich kühl und so unglaublich warm wirkt.
Dazu diese 80er-Jahre-Beats, die man nicht wirklich ernst nehmen kann und die man trotzdem nicht aus dem Kopf kriegt, weil sie irgendwie genau das Richtige treffen, was man in dem Moment fühlen möchte.
Ich bin Jahrgang 1976. Miami Vice lief ab 1984. Ich war zu jung, und trotzdem hat diese Ästhetik etwas in mir hinterlassen, das bis heute nachwirkt.
