Dann kam, nun ja, alles andere.
Die Pandemie rollte heran, und mit ihr veränderte sich nicht nur der Alltag, sondern auch das, worüber man öffentlich sprechen durfte, ohne sofort in Schubladen gesteckt zu werden. Autos wurden plötzlich zu rollenden Klimasünden. Straßen färbten sich rot, Radwege eroberten die Stadt, und der alte weiße Mann (in dessen Kategorie ich vermutlich falle, wenn ich mich für Sportwagen begeistere) wurde zur Karikatur. Ich legte das Projekt beiseite. Nicht aus Überzeugung, eher aus Vorsicht. Ein Bildband braucht Aufmerksamkeit, Rezensionen, Interviews, und ich hatte wenig Lust, mich für meine Begeisterung für Blech zu rechtfertigen.
Sechs Jahre ist das jetzt her. Und der Ordner meldet sich zurück.
Es ist schon erstaunlich, wie Ideen funktionieren. Man kann sie ignorieren, wegschieben, unter anderen Projekten begraben, aber sie verschwinden nicht. Sie warten. Und irgendwann, beim Durchblättern alter Recherchen oder beim Anblick eines Alfa Spider an der Ampel, klopfen sie wieder an. Aufdringlich höflich, wie ein Gast, der weiß, dass er eigentlich willkommen ist.
Die Frage, die mich beschäftigt, ist: Sollte ich ein Projekt aufgeben, weil es nicht in den Zeitgeist passt? Weil die Vermarktung schwierig sein könnte und das Ergebnis ein Nischenprodukt wäre, das zwischen Automobilia und Aktfotografie nirgendwo richtig hingehört? Oder ist genau das vielleicht der Reiz?
Ich habe in meiner bisherigen Arbeit gelernt, dass die besten Bilder oft dort entstehen, wo man nicht mit der Masse schwimmt. Und ich frage mich, ob diese ganze Sorge um den Zeitgeist nicht eigentlich eine Form von vorauseilendem Gehorsam ist. Eine Selbstzensur, die niemand verlangt hat, außer ich selbst.
Wobei, ganz ehrlich, ich bin mir nicht sicher. Die Herausforderung wäre enorm. Akt und Automobil, das ist ein Sujet, das schnell ins Klischee kippt. Die Bilder existieren ja schon tausendfach, von der Pin-up-Illustration bis zur Tuning-Messe. Die Frage wäre, ob ich etwas Eigenes finden kann, etwas, das über das Offensichtliche hinausgeht. Andererseits, war das nicht bei jedem meiner Projekte so?
Es gibt etwas an diesen alten Fahrzeugen, das mich fasziniert, jenseits aller Nostalgie. Diese Autos hatten Gesichter. Man konnte einen Citroën DS von einem Ford Capri unterscheiden, ohne das Markenlogo zu sehen. Heute gleicht ein SUV dem anderen, als hätten die Designer Angst vor allem, was anecken könnte.
Die Paarung mit Frauen, das klingt in meinen Ohren nicht nach Provokation, sondern nach einer ästhetischen Tradition, die älter ist als jede Debatte darüber. Schönheit und Maschine, Haut und Lack, das Organische neben dem Konstruierten. Vielleicht ist das altmodisch. Vielleicht ist es aber auch einfach zeitlos.
Ich muss diese Entscheidung alleine treffen, das weiß ich. Aber manchmal hilft es, laut nachzudenken. Und deshalb frage ich Sie: Kennen Sie diese Fahrzeuge noch? Diese Coupés und Limousinen, die aussahen, als hätte jemand mit Leidenschaft statt mit Windkanal gearbeitet? Reizt Sie die Idee, oder schütteln Sie den Kopf über den Mann, der im Jahr 2026 noch an so etwas denkt?
