Nur interessiert das einen Betrachter nicht.
Er kennt die Hintergründe nicht, schaut einfach auf das Motiv. Sieht ein Foto, kein Abenteuer. Wobei, ganz neutral schaut niemand. Wir alle bringen etwas mit: Kenntnis des Genres, ein Gespür dafür, was andere machen, was gerade Trend ist, was schon tausendmal fotografiert wurde. Und natürlich eine Vorstellung davon, was besser aussehen könnte. Besser? Auch das ist nicht objektiv. Die gesamte Betrachtung ist subjektiv.
Und trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, ist ein Blick von außen so hilfreich. Erst wenn jemand anderes auf das Portfolio schaut und sagt: „Das hier und das hier und das hier, das ist im Grunde dreimal dasselbe", sieht man plötzlich die Wiederholungen im eigenen Werk. Vorher waren es drei völlig unterschiedliche Bilder, entstanden an verschiedenen Tagen, mit verschiedenen Menschen, unter verschiedenen Bedingungen. Jetzt sind es drei Variationen desselben Themas, und zwei davon könnten weichen.
Man merkt, wo Spannung fehlt, wo Abwechslung. Wo die Kontraste in der Aufbereitung verschwimmen. Man hört fremde Stimmen, andere Meinungen. Kritik, die nicht unbedingt schmeichelt.
Ich erinnere mich an einen Kollegen, der mir stolz sein Portfolio zeigte. Fünfzig Bilder, alle technisch einwandfrei, alle mit demselben melancholischen Blick ins Gegenlicht. Beim dritten Bild dachte ich: schön. Beim zehnten: ah ja. Beim zwanzigsten fragte ich mich, ob das Model überhaupt in andere Richtungen schauen konnte. Er selbst sah das nicht. Für ihn war jedes einzelne Bild eine eigene Geschichte. Für mich war es eine Geschichte, fünfzigmal erzählt.
Und weil man nicht mit Steinen wirft, wenn man im Glashaus sitzt, habe ich bislang nicht groß darüber gesprochen. Aber ja: Ich biete auf Nachfrage Portfolio-Kritik an. Für Fotografen, die ihre Website oder ihre Social-Media-Präsenz verbessern möchten. Die hören wollen, was fehlt, was stärker sein könnte, welche Bilder das Gesamtbild eher schwächen als stützen.
Ich stelle unbequeme Fragen. Ermutige dazu, das eine oder andere Bild herauszunehmen und mutigere Entscheidungen zu treffen. Das begründe ich, es sind keine rein subjektiven Launen, sondern Einschätzungen, die auf über 25 Jahren Erfahrung im visuellen Bereich basieren. Und ja, es wird auch Lob dabei sein. Wahrscheinlich sogar mehr, als Sie erwarten. Aber das allein bringt niemanden weiter.
