Me

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Es begann mit einem einzigen Wort. »Me«. Dann das nächste, und noch eins, bis mein Postfach aussah, als hätte sich eine ganze Schulklasse gemeldet, ohne die Frage abzuwarten. Ich hatte einen Modelcall für ein Shooting auf Fuerteventura abgesetzt, und zurück kam ein Trommelfeuer aus zwei Buchstaben.

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»Me« heißt übersetzt vermutlich: Ich bin genau die Richtige, sieh dir mein Profil an. Also tat ich das, pflichtbewusst, eines nach dem anderen. Hinter dem forschen »Me« lag in den seltensten Fällen ein Model. Eher Urlaubsfotos mit angeschnittenem Aperol-Glas, ein Schnappschuss vor dem Kleiderschrank, Selfies im Sonnenuntergang. Profile von Frauen, die mit Aktfotografie ungefähr so viel zu tun haben wie ich mit Biathlon.

Schuld ist allerdings nicht Instagram allein. Schuld ist auch die felsenfeste Überzeugung, dass zwei Buchstaben eine Bewerbung sind und ein hübscher Sonnenuntergang ein Portfolio. Model-Sein ist kein Gefühl. Es ist ein Beruf. Wer sich mit drei Strandfotos zum Model erklärt, beleidigt jede Frau, die das wirklich kann, die vor der Kamera weiß, wie ihr Körper wirkt, die sich stundenlang konzentriert hält und am Ende trotzdem so aussieht, als koste es sie nichts. Diese Qualifikation lässt sich nicht behaupten. Entweder bringt sie jemand mit oder eben nicht.

Jeder Klick kostet trotzdem Zeit. Profil öffnen, durchscrollen, feststellen, dass hier niemand in die Nähe einer Veröffentlichung kommt, zurück, nächstes »Me«. Irgendwann konnte ich nur noch den Kopf schütteln. Glauben diese Damen ernsthaft, sie hätten auch nur den Hauch einer Chance?

Dazu eine erstaunliche Zahl an Bewerbungen von Frauen zwischen fünfzig und sechzig, aus Deutschland und dem Rest der Welt. Wieder keine Models, das war keine Geschmacks-, sondern eine Sachfrage. Einige teilten mir gleich mit, Unterwäsche sei durchaus möglich, und ich grüble bis heute, ob das eine Einschränkung war oder ein großzügiges Entgegenkommen.

Dann die nächste Welle: Männer. Männer? Ich fotografiere doch gar keine Männer.

Wo sind eigentlich die echten Models? Es gibt Plattformen, die genau dafür gemacht sind, auf denen ich seriös casten könnte. Doch die Models sind dort nicht mehr. Stattdessen behandeln alle Instagram wie den Heiligen Gral. Ein Casting-Werkzeug war diese App nie, und sie entfernt sich immer weiter davon.

Und dann, als ich glaubte, tiefer ginge es nicht, kam die Bewerbung, die alles in den Schatten stellte. Ein KI-generiertes Model wollte mit mir nach Fuerteventura. Ein Gesicht, das es gar nicht gibt, makellos, glattgerendert, bewarb sich für eine Reise auf eine Insel, die es tatsächlich gibt. Ich wartete kurz auf den Kollegen von »Verstehen Sie Spaß?«, der hinter der Tür hervortritt. Er kam nicht.

Models auf Instagram zu suchen ist jedenfalls ein Flop. Dann doch lieber über Empfehlungen von anderen Models und ohne die freundliche Mithilfe eines Algorithmus, der mir nur meine Zeit stiehlt.

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