Alles Content Creator

Alles Content Creator

Letzte Woche stellte mich jemand auf einem Event als "Content Creator" vor. Ich musste kurz überlegen, ob ich beleidigt sein sollte.

Lesezeit: 2 Min.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich erschaffe durchaus "Content". Seit über einem Jahrzehnt drücke ich auf den Auslöser, um Momente einzufangen, die später in Magazinen, Kalendern oder Bildbänden landen. Aber ein "Content Creator"? Das klingt, als würde ich tanzend vor meinem Smartphone stehen und Smoothie-Rezepte präsentieren.

"Ich bin Fotograf", antwortete ich und spürte dabei, wie altmodisch sich das plötzlich anhörte. Als hätte ich gesagt, ich sei Hufschmied oder Korbflechter. Die junge Dame nickte höflich, mit diesem speziellen Blick, der sagt: "Hallo Opi".

Die Inflation der Berufsbezeichnungen ist ein albernes Phänomen unserer Zeit. Früher hatte man einen Beruf: Mechaniker, Arzt, Lehrer, Fotograf. Heute sind wir Facility Manager (Hausmeister), Decision Manager (habe ich mir nicht ausgedacht) oder eben Content Creator. Irgendwie klingt alles wichtiger, wenn man es umständlicher ausdrückt, oder?

Was mich an dieser "Content Creator"-Sache wirklich stört, ist nicht der Begriff an sich. Es ist die Verwässerung dessen, was dahintersteckt. Als ich anfing, musste man sein Handwerk lernen. Licht verstehen. Komposition beherrschen. Die Technik meistern. Es brauchte Jahre, um gut zu werden. Aber dafür hatte man dann verstanden, was man tut.

Heute definiert sich "Content Creation" eher über die Plattform, nicht über das Handwerk. Die Frage ist nicht mehr "Beherrschst du dein Medium?", sondern "Wie viele Follower hast du?" Die Währung ist Aufmerksamkeit, nicht Qualität.

Ich bin kein verbitterter alter Mann, der sich über "die Jugend von heute" aufregt. Die Demokratisierung der Kreativität hat auch viel Gutes. Jeder kann seine Geschichte erzählen, seine Perspektive teilen (auch wenn es manchmal vielleicht besser wäre, nicht alles zu teilen). Und man kann besser mit anderen Menschen in Kontakt treten. Die Welt ist näher zusammengerückt.

Also ja, technisch gesehen bin auch ich ein Content Creator. So wie ein Chirurg technisch gesehen ein "Human Body Modifier" ist. Oder ein Busfahrer ein "Public Transportation Navigation Specialist". Am Ende bin ich vielleicht altmodisch, aber ich stehe dazu: Ich bin Fotograf. Punkt.

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