Insgeheim hoffte ich immer darauf, dass mal in einem Spielfilm in irgendeiner Szene — Sie wissen schon, wenn ein Spind vom Protagonisten geöffnet wird oder so — ein Akt-Foto von mir hängt. Das wäre doch was! So eine Art fotografische Unsterblichkeit zwischen Kaugummi-Werbung und zerknitterten Liebesbriefen.
Gestern schaute ich eine Doku im Schweizer Fernsehen. Mit Untertiteln natürlich, sonst hätte ich kein Wort verstanden. Bei Minute 18:22 war ich plötzlich hellwach. Da im Büro der Bauarbeiter hängt ein nackter Po an der Wand. Moment mal… ist das Foto… das ist doch… ist das etwa Anato? Mein Foto?
Meine Frau glaubte mir nicht gleich. Verständlich — es ist schließlich ein Po-Foto, wie es tausendfach da draußen existiert. Aber ich weiß doch, welche Bilder ich gemacht habe! Das ist wie bei Eltern, die ihr Kind aus hundert Metern Entfernung am Hinterteil erkennen (wobei der Vergleich hier vielleicht etwas unglücklich gewählt ist).
Und so habe ich tatsächlich mein eigenes Bild erkannt, obwohl es nur für rund fünf Sekunden im Hintergrund zu sehen war. Es stammt aus dem Erotik-Kalender "Backside" aus dem Jahr 2023. Entweder ist die Dokumentation ein bisschen älter oder die Schweizer Bauarbeiter haben schlicht versäumt, einen neuen Kalender zu kaufen.
Zugegeben, das ist jetzt kein Hollywood-Blockbuster. Aber ich habe mich trotzdem diebisch gefreut und ungläubig den Kopf geschüttelt. Ein Foto von mir, so unvermittelt und unerwartet aufgetaucht! Zwischen Bauplänen und Kaffeetassen, irgendwo in einem Schweizer Büro, eingefangen von einer Fernsehkamera.
Was mich am meisten fasziniert: dass ich es so schnell erkannt habe. Als würde man sein eigenes Kind im Kaufhaus wiederfinden — nur dass es sich hier um einen künstlerisch beleuchteten Hintern handelt, der nun seine fünf Minuten Ruhm im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hatte.
Vielleicht ist das die moderne Version von Andy Warhols "15 Minuten Berühmtheit". Nur dass es bei mir eher fünf Sekunden waren. Und in der Schweiz. Und mit Untertiteln.
Und genau das ist es doch, was wir alle wollen: dass jemand unsere Arbeit betrachtet und denkt: "Ja, das ist schön. Das behält sein Plätzchen an der Wand." Auch wenn es nur fünf Sekunden im Fernsehen dauert, bis es wieder verschwindet.