Mit 49 Jahren fängt man unweigerlich an, sich Gedanken über solche Dinge zu machen. Die grauen Haare? Geschenkt. Die Lesebrille beim Blick auf den Bildschirm? Damit kann ich leben. Aber was, wenn die Reflexe nachlassen und ich die entscheidenden Momente verpasse?
Die gute Nachricht vorweg: Die Wissenschaft bestätigt zwar, dass unsere Reaktionszeit ab 20 Jahren jährlich um ein paar Millisekunden nachlässt. Aber mal ehrlich, wer braucht schon Millisekunden, wenn er Momente einfangen will?
Früher dachte ich, ein guter Fotograf wäre einfach der schnellste am Auslöser. Als würde der magische Moment wie ein scheues Reh vorbeihuschen und man müsste blitzschnell reagieren. Heute weiß ich: Die wahre Kunst liegt oft im geduldigen Warten, bis sich der richtige Moment überhaupt entwickelt. Ob ich dann eine Sekunde früher oder später auslöse? Geschenkt.
In all den Jahren hinter der Kamera habe ich bemerkt: Der beste Shot ist selten der schnellste. Während manche Kollegen hektisch auf den Auslöser hämmern, warte ich entspannt auf exakt jenen Augenblick, den ich schon vor seinem Entstehen gesehen habe. Nennen Sie es Intuition, Erfahrung oder einfach nur gut getimtes Nichtstun.
Die schönsten Momente? Das sind für mich die echten. Die, in denen das Model die Kamera komplett vergessen hat und einfach nur sie selbst ist.
Lustig auch, wie unterschiedlich Menschen an das Thema herangehen. Manche schwören auf ihre 20-Bilder-pro-Sekunde-Kameras. Ich hingegen verlasse mich lieber auf meine innere Uhr, die mir ziemlich genau sagt, wann der Moment reif ist. Wann ich ihn fühle. Manchmal komme ich mir dabei vor wie ein alter Wetterfrosch, der den Regen schon spürt, bevor die erste Wolke am Himmel erscheint. Und manchmal verpasse ich den richtigen Moment und sage dann hektisch zum Model: "Nicht bewegen, nicht bewegen."
Was ist jetzt mit der Reaktionszeit? Sollte sie trainiert werden? Ist sie wichtig? Ich glaube schon: Gute Reflexe braucht man als Fotograf auf jeden Fall. Und man muss wach sein. Das heißt, körperlich aktiv bleiben und sich gesund ernähren. Und gute Bilder entstehen sowieso erst dann, wenn man aufhört, über Reaktionszeiten nachzudenken.