Wissen Sie, meine Sony ist ja eigentlich ein kleines Wunderwerk der Anpassungsfähigkeit. Sie bietet mir 2:3, 3:4, 1:1 und für die Videofans unter uns sogar 16:9 an. Ein beeindruckendes Arsenal an Möglichkeiten, sollte man meinen. Aber ausgerechnet die Formate, die später für den Druck relevant werden, sucht man vergeblich.
Ein kleiner Plausch zwischen den Kameraherstellern und den Verlagen hätte hier vermutlich Wunder gewirkt. Aber nein, das wäre ja zu einfach gewesen.
Lassen Sie mich kurz in die Welt der deutschen Gründlichkeit entführen: Das DIN A4-Format, diese präzisen 210 × 297 millimeter, hat tatsächlich eine fast philosophische Entstehungsgeschichte. 1922 hatte ein gewisser Dr. Walter Porstmann eine ziemlich pfiffige Idee. Er wollte ein Papierformat entwickeln, das beim Halbieren sein Seitenverhältnis beibehält. Das Ergebnis? Das berühmte Wurzel-2-Verhältnis (1:√2).
Der Ursprung dieses mathematischen Kunstwerks ist das Format A0 mit exakt einem Quadratmeter Fläche (841 × 1189 mm). Durch wiederholtes Halbieren entlang der längeren Seite entstehen die weiteren Formate. Ein System, das sich weltweit durchgesetzt hat. Nun ja, fast. Die USA und Kanada spielen nicht mit. Sie bevorzugen ihr Letter-Format (216 × 279 mm), das etwas breiter und weniger hoch ist als unser A4.
In meiner Welt als Fotograf für den Playboy dreht sich alles um das Format 213 × 275 mm. Das klingt zunächst nicht dramatisch anders als 2:3 oder 3:4, aber diese kleinen Unterschiede haben es in sich. Selbst 3:4 schießt immer noch deutlich höher. Bei der Bildkomposition in der Kamera hilft mir das ehrlich gesagt gar nicht.
Klar, das Magazinformat 213 × 275 mm ist perfekt durchdacht für Standard-Druckbögen (70 × 100 cm oder 64 × 88 cm). Minimaler Verschnitt, maximale Effizienz. Aber für mich bedeutet es, dass ich schon beim Fotografieren aufpassen muss. Im Hochformat wird der Unterschied zwischen dem 3:2-Format meines Kamerasensors und dem Magazinformat besonders deutlich.
Anders knifflig wird es bei Doppelseiten. Da braucht es schon beim Shooting den richtigen Riecher dafür, dass später keine wichtigen Details im Falz verschwinden. Und glauben Sie mir, bei meiner Arbeit sind diese Details oft ziemlich "essentiell". Ein Auge, das im Falz verschwindet, ist ärgerlich. Abere andere anatomische Highlights zu knicken, ist schlichtweg inakzeptabel. Wenigstens weicht das Querformat nur um rund 3% vom Seitenverhältnis 3:2 ab. Das heißt, hier brauche ich nur ein bisschen Luft beim Fotografieren lassen.
Das musst Du mir wirklich nicht erklären.
Zugegeben, das Thema wird jetzt etwas nerdig. Als ich meiner Frau von diesen Format-Überlegungen erzählte, war ihre Antwort eindeutig: "Das musst Du mir wirklich nicht erklären." Vielleicht hat sie Recht. Aber für alle Format-Enthusiasten unter uns geht es hier trotzdem weiter.
Was haben wir bisher gelernt? Es gibt eine erstaunliche Vielfalt an Seitenverhältnissen, die in der Praxis gebraucht werden. Und dann gibt es Kamera-Hersteller, die es leider versäumt haben, diese — sei es als Hilfslinien oder direkt als Anzeige-Crop im Sucher — praktikabel umzusetzen.
Denn meist weiß ich beim Fotografieren sehr genau, für welchen Einsatzzweck ich die Bilder mache. Bei meinen Bildbänden passte übrigens auch weder 2:3 noch 3:4. Also, liebe Kamerahersteller, hallo Sony, warum kann ich das Seitenverhältnis nicht einfach selbst einstellen?
Kürzlich kam mir noch ein interessanter Gedanke, als ich meinen Kalender im DIN A3-Format betrachtete. Was Dr. Porstmanns Erfindung so besonders macht: Das Seitenverhältnis bleibt konstant, egal ob Hoch- oder Querformat.
Im Sucher der Kamera könnte also ein einziges Verhältnis beibehalten werden, unabhängig von der Ausrichtung. Wie genial wäre das? Damit sticht dieses Format die anderen — wie das des Playboys oder meines Bildbands — eindeutig aus.
Genug der Theorie. Damit Sie selbst ein Gefühl für diese Format-Akrobatik bekommen, habe ich unten ein Browser-basiertes Tool eingebaut. Spielen Sie nach Herzenslust mit den Formaten und Ihren eigenen Bildern. Keine Sorge, Ihre Daten bleiben dabei die ganze Zeit sicher auf Ihrem Rechner.
Format Akrobatik
Wählen Sie ein Seitenverhältnis aus und verschieben Sie den Ausschnitt (einschließlich Beschnittzugabe), um das in diesem Artikel erwähnte „First World Problem“ zu verstehen. Sie können unten mit Ihrem eigenen Foto herumspielen. Dieses Tool funktioniert nur in Desktop-Browsern.
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