Machtspiele im Halbdunkel

Machtspiele im Halbdunkel

Der Typ zwei Reihen vor mir brüllt es einfach so in die Dunkelheit des Kinosaals. "Who's your daddy?" Als wäre das irgendwie cool oder originell. Auf der Leinwand läuft eine Szene mit Tänzerinnen — ein Film, mehr nicht. Aber er fühlt sich offenbar wie der König der Welt.

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Die Szene läuft weiter. Im Film werden Dollar-Scheine geschwenkt, Sprüche geklopft. Das übliche Ritual. Und hier im Kinosaal sitzt dieser Typ und macht es nach. Als wäre er Teil davon. Als könnte er irgendwie eingreifen in das, was da auf der Leinwand passiert. Es hat etwas Tragisches, fast schon Rührendes. Wie Kinder, die denken, sie könnten den Mond fangen, nur weil sie die Arme danach ausstrecken.

Who's your daddy?

In meinem Job als Fotograf erlebe ich ähnliche Momente. Die vermeintliche Macht des Objektivs. Dabei sind es immer die Menschen vor der Kamera, die entscheiden, was sie dir geben. Manchmal denke ich, das ist wie mit der Liebe: Je verzweifelter du versuchst, sie zu kontrollieren, desto mehr entgleitet sie dir.

Es ist seltsam, wie sich diese Machtfantasien durch unsere Gesellschaft ziehen. In der Werbung, in Filmen, in der Musik. Überall diese unterschwellige Botschaft: Wer zahlt, hat das Sagen. Wer laut genug schreit, bekommt die Aufmerksamkeit. Mir gefällt das nicht.

Der Typ zwei Reihen vor mir ist jetzt still geworden. Vielleicht hat er es selbst gemerkt, wie lächerlich das alles ist. Diese merkwürdige Männerfantasie von Dominanz und Kontrolle. Oder er ist einfach nur müde vom Rufen.

Später, draußen vor dem Kino, höre ich ihn noch mit seinen Kumpels unter dem Vordach stehen und zu laut über irgendeinen Witz lachen. Ich schaue zum dunklen Himmel hinauf und denke darüber nach, wie oft wir uns selbst etwas vormachen. Über Macht. Über Kontrolle. Über all die kleinen Lügen, die wir uns erzählen.

Die Antwort auf seine Frage kennt er vermutlich selbst nicht. Und das ist vielleicht das Traurigste an der ganzen Geschichte.

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