Die Dreifaltigkeit der Liebe

Die Dreifaltigkeit der Liebe

„Worte der Bestätigung, Zeit zu zweit, körperliche Berührung“, rattert die Playmate vor der Kamera herunter, als hätte sie für die mündliche Prüfung gelernt. Mein Assistent grinst. Ich bin zu beschäftigt damit, den Fokus zu kontrollieren. Linkes Auge scharf? Ton läuft? Die Lampe vibriert wieder, verdammt.

Lesezeit: 3 Min.

Erst später, beim Kaffee, flüstert er mir zu: „Das klang wie auswendig gelernt.“ Stimmt. Aber was genau hatte sie da eigentlich erzählt?

Ich google auf dem Rückweg. Love Languages. Ein Konzept aus den Neunzigern, Gary Chapman, Eheberater, fünf Sprachen der Liebe. Lob, Zweisamkeit, Geschenke, Hilfsbereitschaft, Zärtlichkeit. Klingt nach Selbsthilfe-Regal, irgendwo zwischen „Du bist genug“ und „Der Alchemist“. Trotzdem: Das Ding funktioniert offenbar. Millionen verkaufte Bücher, unzählige Paare schwören darauf.

Was mich wirklich neugierig macht (und vermutlich der Grund, warum ich überhaupt darüber schreibe): Wie kommt so ein Konzept in den Kopf einer Playmate? Zwischen Shooting-Terminen, Champagner-Events und Instagram-Stories landet da plötzlich ein Beziehungsratgeber aus einer Zeit, als Instagram noch nicht existierte.

Ich stelle mir vor, wie sie das Buch liest. Vielleicht nach einem langen Tag, zwischen zwei Flügen, in einem Hotelzimmer. Oder jemand hat es ihr empfohlen, eine Freundin, die gerade ihre dritte Beziehung retten will. Und dann bleibt das hängen. Weil es eben trotz der Vereinfachung etwas trifft.

Die Sache mit den Liebessprachen ist ja durchaus clever. Sie reduziert Beziehungsprobleme auf ein Übersetzungsproblem. Er kauft ihr Blumen, sie will lieber, dass er den Geschirrspüler ausräumt. Sie lobt ihn ständig, er braucht einfach nur ihre Hand auf seinem Arm. Verschiedene Sprachen, verschiedene Empfänger. Das leuchtet ein, ohne kompliziert zu sein.

Natürlich ist es vereinfacht. Natürlich greift es zu kurz. Menschen sind keine Ankreuzbögen mit fünf Optionen. Aber darum geht es vermutlich nicht. Es geht darum, überhaupt mal darüber nachzudenken, wie der andere tickt. Und wenn ein Buch aus den Neunzigern dafür sorgt, dass ein Paar aufhört, aneinander vorbeizureden, dann hat es seinen Zweck erfüllt.

Was hat das jetzt mit Fotografie zu tun, fragen Sie vielleicht. Diese ganze Nummer mit den unterschiedlichen Sprachen gilt ja auch in meiner Arbeit. Ich fotografiere Menschen in sehr intimen Situationen. Meistens sind am Set nur wir zwei. Und jedes Model braucht etwas anderes, um sich wohlzufühlen. Die eine will Anweisungen, klare Kommunikation, ständiges Feedback. Die andere braucht Ruhe, Raum zum Ausprobieren, keine Worte.

Ich habe nie ein Buch darüber gelesen. Aber nach ein paar hundert Shootings entwickelt man ein Gespür dafür. Man lernt, die Sprache des Gegenübers zu erkennen. Und wenn man sie nicht spricht, wird es anstrengend. Für beide Seiten.

Vielleicht ist das der Grund, warum die Interview-Szene mit der Playmate bei mir hängen blieb. Weil sie etwas formuliert hat, das ich längst tue, ohne es benennen zu können. Weil diese auswendig gelernten Sätze plötzlich einen Rahmen bieten für etwas, das ich intuitiv verstanden habe.

Ich werde Chapman nicht lesen. Aber ich werde beim nächsten Shooting vielleicht bewusster darauf achten, welche Sprache mein Gegenüber spricht. Und ob ich sie richtig übersetze.

Das Playmate hatte übrigens noch eine sechste Sprache erwähnt. Eine, die nicht im Buch steht. „Humor“, sagte sie. „Wenn jemand mich zum Lachen bringt, dann fühle ich mich geliebt.“

Da hat sie vermutlich recht.

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