Marmeladenfleck oder Hautkrebs

Marmeladenfleck oder Hautkrebs

Vielleicht kennen Sie das Lied "Sunscreen" von Baz Luhrmann. Es beginnt mit den Worten "If I could offer you only one tip for the future, sunscreen would be it." Und obwohl der Song von 1997 ist, ist er für mich aktueller denn je.

Lesezeit: 3 Min.

In den 80ern als ich aufwuchs, war Sonnenschutz noch nicht so ein Thema. Klar, es gab Cremes mit Faktor 8 bis 15 und ich habe bestimmt auch den hohen bekommen, aber trotzdem war Sommer automatisch mit roter Haut und sich schälendem Sonnenbrand verbunden.

Erst als ich im Schüleraustausch in den USA war, hörte ich vom Sunblocker mit LSF 50. Die eindrückliche Warnung meines Lehrers hielt ich zwar für übertrieben. Aber dennoch habe ich artig immer den hohen Faktor aufgetragen.

Mein Hauttyp ist nämlich eher so Boris Becker mäßig und die erdbeerblonden Haare hatte ich früher auch. Also ich bin definitiv ein Kandidat, der nach 10 Minuten in der Mittagssonne beginnt rot zu werden. Jetzt arbeite ich oft und viel auf den Kanaren. Die sind nur 3.000 Kilometer weg vom Äquator. Eine Gegend, in der die Sonne definitiv noch mehr Power hat als in Deutschland.

Und obwohl ich immer Sonnenschutz trage, wurde bei mir nun weißer Haut­krebs entdeckt. Frühzeitig ist das nicht so schlimm, sagt mein Hautarzt. Aber er geht trotzdem nicht weg und so muss ich jetzt jedem erklären, dass ich keinen Fleck von Erdbeer­marmelade im Gesicht habe, sondern dass es Haut­krebs war, der vereist wurde.

Neulich stand ich mit einem Modell an einem Strand auf Fuerteventura. Mittagssonne, 28 Grad. Sie hatte sich schon morgens eingecremt — mit Faktor 10. "Reicht bei mir völlig", meinte sie. "Ich werde ja schnell braun." Drei Stunden später sah sie aus, als hätte sie versucht, eine Glühbirne zu küssen. Das Shooting war gelaufen, aber die Lektion war gelernt. Zumindest von mir.

Es ist schon faszinierend: Menschen, die beim Autofahren angeschnallt sind und beim Radfahren einen Helm tragen, werden plötzlich zu Hasardeuren, sobald es um UV-Strahlung geht. "Ach, ein bisschen Sonne tut gut", höre ich regelmäßig. Stimmt ja auch. Ein bisschen. Aber wir reden hier von kanarischer Mittagssonne.

Das Perfide an UV-Strahlung ist ja: Sie tut nicht weh. Zumindest nicht sofort. Ein Sonnenbrand zeigt sich erst Stunden später. Hautkrebs Jahre oder Jahrzehnte später. Das ist wie mit dem Rauchen. Die Konsequenzen sind so weit weg, dass unser Gehirn sie einfach ausblendet.

So bin ich inzwischen auch zu einem dieser Menschen geworden, der anderen ungefragt Ratschläge gibt. Das liegt daran, dass ich jetzt 50 bin und genug junge Leute sehe, die dieselben Fehler machen wie ich damals.

Gebräunte Haut ist beschädigte Haut, egal wie gesund sie aussieht.

Baz Luhrmann hatte übrigens recht: Wenn ich nur einen Ratschlag geben dürfte, wäre es der mit der Sonnencreme.

Hinweis: Das Titel­bild zeigt ledig­lich die Sonnen­creme, die ich der­zeit ver­wende. Dieser Artikel ent­stand ohne Sponso­ring, und ich spreche keine Empfeh­lung für ein bestim­mtes Sonnen­schutz­produkt aus.

Navigieren