In den 80ern als ich aufwuchs, war Sonnenschutz noch nicht so ein Thema. Klar, es gab Cremes mit Faktor 8 bis 15 und ich habe bestimmt auch den hohen bekommen, aber trotzdem war Sommer automatisch mit roter Haut und sich schälendem Sonnenbrand verbunden.
Erst als ich im Schüleraustausch in den USA war, hörte ich vom Sunblocker mit LSF 50. Die eindrückliche Warnung meines Lehrers hielt ich zwar für übertrieben. Aber dennoch habe ich artig immer den hohen Faktor aufgetragen.
Mein Hauttyp ist nämlich eher so Boris Becker mäßig und die erdbeerblonden Haare hatte ich früher auch. Also ich bin definitiv ein Kandidat, der nach 10 Minuten in der Mittagssonne beginnt rot zu werden. Jetzt arbeite ich oft und viel auf den Kanaren. Die sind nur 3.000 Kilometer weg vom Äquator. Eine Gegend, in der die Sonne definitiv noch mehr Power hat als in Deutschland.
Und obwohl ich immer Sonnenschutz trage, wurde bei mir nun weißer Hautkrebs entdeckt. Frühzeitig ist das nicht so schlimm, sagt mein Hautarzt. Aber er geht trotzdem nicht weg und so muss ich jetzt jedem erklären, dass ich keinen Fleck von Erdbeermarmelade im Gesicht habe, sondern dass es Hautkrebs war, der vereist wurde.
Neulich stand ich mit einem Modell an einem Strand auf Fuerteventura. Mittagssonne, 28 Grad. Sie hatte sich schon morgens eingecremt — mit Faktor 10. "Reicht bei mir völlig", meinte sie. "Ich werde ja schnell braun." Drei Stunden später sah sie aus, als hätte sie versucht, eine Glühbirne zu küssen. Das Shooting war gelaufen, aber die Lektion war gelernt. Zumindest von mir.
Es ist schon faszinierend: Menschen, die beim Autofahren angeschnallt sind und beim Radfahren einen Helm tragen, werden plötzlich zu Hasardeuren, sobald es um UV-Strahlung geht. "Ach, ein bisschen Sonne tut gut", höre ich regelmäßig. Stimmt ja auch. Ein bisschen. Aber wir reden hier von kanarischer Mittagssonne.
So bin ich inzwischen auch zu einem dieser Menschen geworden, der anderen ungefragt Ratschläge gibt. Das liegt daran, dass ich jetzt 50 bin und genug junge Leute sehe, die dieselben Fehler machen wie ich damals.
Gebräunte Haut ist beschädigte Haut, egal wie gesund sie aussieht.
Baz Luhrmann hatte übrigens recht: Wenn ich nur einen Ratschlag geben dürfte, wäre es der mit der Sonnencreme.
Hinweis: Das Titelbild zeigt lediglich die Sonnencreme, die ich derzeit verwende. Dieser Artikel entstand ohne Sponsoring, und ich spreche keine Empfehlung für ein bestimmtes Sonnenschutzprodukt aus.