Warum

Warum "sexy" kein Schimpfwort ist

Letzte Woche stand ich wieder einmal vor diesem vertrauten Dilemma. Ein neues Model, talentiert, wunderschön, aber mit einer seltsamen Verkrampfung, sobald das Wort "sexy" fiel. "Das klingt so… objektifizierend", sagte sie und verzog dabei das Gesicht, als hätte ich ihr vorgeschlagen, sich in Frischhaltefolie zu wickeln.

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Mich macht das traurig.

Denn in meiner Welt — und ich fotografiere seit fast zwei Jahrzehnten professionell Akt und Erotik — ist "sexy" eines der schönsten Komplimente, die man jemandem machen kann. Es bedeutet Ausstrahlung, Selbstbewusstsein, eine unwiderstehliche Anziehungskraft. Es hat nichts mit Reduzierung zu tun, sondern mit der Anerkennung einer besonderen Energie und dem Feiern weiblicher Schönheit.

Als ich 2006 anfing, war das anders. Da konnten Models noch strahlen, wenn ich nach einem gelungenen Shot sagte: "Das war sexy!" Heute zucken viele zusammen, als hätte ich sie geohrfeigt.

Was ist passiert? Irgendwo zwischen den berechtigten Diskussionen über Respekt und Gleichberechtigung ist ein wundervolles Wort in Geiselhaft genommen worden. Sexy wurde zum Synonym für Oberflächlichkeit, für männliche Dominanz, für alles, was schlecht ist an der Darstellung von Weiblichkeit.

Aber das ist ein Missverständnis.

Sexy ist nicht das Gegenteil von intelligent. Es ist nicht das Gegenteil von selbstbestimmt. Sexy kann kraftvoll sein, verspielt, geheimnisvoll, selbstironisch — oder alles gleichzeitig. Sexy ist eine Form der Kommunikation, eine Art zu sagen: "Ich bin hier, ich bin lebendig, ich habe etwas zu bieten. Und ich spiele damit."

Natürlich gibt es Kontexte, in denen "sexy" zur Reduzierung und Demütigung wird. Aber doch nicht bei einem Akt-Shooting!

Ich wünsche mir eine Welt, in der Frauen wieder lächeln können, wenn sie hören, dass sie sexy sind. Eine Welt, in der dieses Kompliment nicht als Angriff verstanden wird, sondern als das, was es sein sollte: eine Anerkennung ihrer Ausstrahlung, ihrer Lebendigkeit, ihrer ganz besonderen Art zu sein. Und in der ein Kompliment für einen ansprechenden weiblichen Körper etwas positives ist.

Die "Woken" haben vieles kaputt gemacht, viele junge Frauen verwirrt. Das merke ich, wenn ich mit Models heutzutage arbeite.

Ich schlage vor, dass wir wieder damit anfangen, Sinnlichkeit zu feiern. Denn ehrlich gesagt, und das ist jetzt meine ganz persönliche Meinung als jemand, der beruflich mit Schönheit arbeitet, eine Welt ohne "sexy" wäre doch verdammt langweilig, oder?

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