18 Jahre und kein bisschen satt

18 Jahre und kein bisschen satt

67 Bilder in der Vorauswahl. Das klingt nach einer überschaubaren Aufgabe. Ich nehme die besten 13, drucke sie aus, fertig. Wer so denkt, hat noch nie einen Kalender gemacht, oder zumindest keinen, bei dem es ihm wirklich etwas bedeutet.

Lesezeit: 3 Min.

Seit 18 Jahren bringe ich meinen Kalender heraus und jedes Mal erwische ich mich dabei, wie ich tagelang vor dem Bildschirm sitze und einzelne Motive gegeneinander abwäge, als hinge davon etwas Weltbewegendes ab. Vielleicht tut es das ja auch, zumindest für mich. Denn bei einem Kalender muss jedes Bild wirklich für sich stehen. Nicht als Teil einer Serie, sondern allein, einen ganzen Monat lang, an der Wand. Das ist eine andere Qualität von Aufmerksamkeit, die ein Bild verlangt.

Drei Wochen Arbeit, jeden Tag mehrere Stunden. Ich schaue, verwerfe, schlafe drüber, schaue wieder. Manche Bilder, die ich am ersten Tag sicher aussortiert hatte, liegen am zehnten Tag plötzlich ganz oben.

Bei 67 Kandidaten war die erste Runde noch vergleichsweise schmerzlos. Zu bunt, zu ähnlich, zu viel Bett. Aber dann, wenn ich bei zwanzig Bildern angelangt bin und dreizehn brauche, wird es hässlich. Jede Entscheidung gegen ein Motiv fühlt sich an wie eine kleine Niederlage. Als würde ich einem Bild sagen: Du warst gut, aber nicht gut genug. Erschwerend kommt hinzu, dass mir eine schöne Balance aus Busen- und Po-Motiven wichtig ist, was sich leichter sagt, als es ist. Denn was mache ich mit einem Model, bei dem beides stimmt? Ich starre auf ein Motiv, herrlicher Hintern, wunderbare Brüste und komme mir vor wie jemand, der im Restaurant die Speisekarte nicht weglegen kann. Es gibt Probleme, für die die Welt wenig Mitgefühl aufbringt, ich weiß.

Dabei ist Busen gegen Po noch das Einfachste. Die eigentliche Arbeit beginnt, wenn ich anfange, die Bilder systematisch gegeneinander abzuwägen. Pose: von vorne, von hinten, seitlich, kniend, sitzend, liegend, stehend in all seinen Variationen und bloß nicht zu viele davon doppelt. Haarfarbe. Tattoos oder ohne. Herkunft des Models und Location. Indoor oder outdoor. Nasse oder trockene Haare. Lächelnd oder ernst. Sanft oder wild. Verführerisch oder einfach hinreißend schön. Viel Farbe oder Ton in Ton. Das alles läuft im Kopf parallel, während ich auf dreizehn Rechtecke starre, die sich nicht von selbst sortieren. Am Ende entscheide ich mit dem Bauchgefühl. Was ich fühle, wenn ich das Bild sehe, nachdem ich mir alle diese Fragen gestellt habe. Das ist durch und durch subjektiv, ich weiß. Aber einer muss es ja tun.

Dieses Jahr hat sich die Farbwelt von selbst sortiert, warme Naturtöne in allen Nuancen, die sich durch meine Motive ziehen. Bei so viel nackter Haut eigentlich auch naheliegend.

Das Cover-Bild war diesmal das schnellste. Petra, Cowboy-Hut, Kakteen, aufgeknöpfte Jeans. Dabei war der Hut ursprünglich eine reine Notlösung gegen die brutale Mittagssonne, die keine Freunde kennt. Aber als ich Petras prallen Brüste vor Augen hatte, wusste ich bereits, dass dies das 2027er Cover wird.

Kalender 2027
Kalender 2027

Die Typografie ist dieses Jahr natürlich auch wieder neu. Nicht weil die alte schlecht war, sondern weil ich es langweilig finde, einen Kalender mit denselben Schriften zu machen. Ich habe eine neue Schrift-Lizenz gekauft, gegrübelt und gebastelt und mich dabei an ein Lieblingsfach aus der Akademie erinnert: Typografie, mit einem Professor, der unermüdlich davon sprach, Schrift nicht nur als Trägerin von Information zu verstehen, sondern vor allem als grafisches Element. Das Kalendarium dieses Jahr ist deshalb, sagen wir mal, eher dekorativ geworden. Ob jemand hier wirklich einen Termin nachschlägt, sei dahingestellt. Vielleicht ist es aber ein guter Vorwand, etwas länger hinzusehen.

Die Motivauswahl und Druckvorbereitung habe ich bereits im März abgeschlossen. Und während Sie das lesen, arbeite ich schon an Bildern für den 2028er Kalender. Ich weiß, das klingt pervers. Aber nur so entsteht später eine große Auswahl.

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