3 Uhr morgens auf Ibiza.
Ich liege in meinem Hotelbett und starre die Decke an. Nicht etwa, weil die Bässe aus dem Pacha herüberwummern oder weil der Vollmond zu hell scheint.
Nein, mein Nacken hat beschlossen, mir eine Privatvorstellung zu geben. Hauptakt: "Symphonie der Verspannung in Moll". Sie äußert sich in dröhnenden Kopfschmerzen.
In drei Stunden startet ein wichtiges Shooting. Die Location ist nur morgens gut, das Model extra aus Barcelona eingeflogen.
Während ich versuche, eine Position zu finden, die sich nicht anfühlt wie akute Folter, wandern meine Gedanken zu dem, was meinem Körper eigentlich so zusetzt. Da wäre zunächst diese absolut unergonomische Neandertaler-Haltung beim Fotografieren: Kopf nach vorne gestreckt, Schultern hochgezogen, Rücken gekrümmt — als würde man versuchen, einen besonders scheuen Dinosaurier nicht zu erschrecken. Evolution? Fehlanzeige. Ich kriege regelmäßig die Krise, wenn ich in Behind the Scenes Videos meine Körperhaltung bei der Arbeit sehe.
Dann dieser Rucksack. 8 Kilo fotografische Hochleistungstechnik. Das mag nicht schwer klingen, fühlt sich nach ein paar Stunden aber an wie ein Kleinwagen auf den Schultern.
Und als wäre das nicht genug, gesellt sich zu der körperlichen Belastung noch diese unterschwellige mentale Anspannung: Wird das Wetter stimmen? Hat das Model einen guten Tag? Funktioniert die Technik einwandfrei? Schließlich hängt von diesem Shooting mehr ab als nur ein paar hübsche Bilder für's Portfolio. Da sind Kunden, die Erwartungen haben. Ein Ruf, der zu verlieren ist. Und natürlich kostet mich das Shooting auch eine Menge Moneten.
Ich versuche mir zu sagen, dass Druck ein Privileg ist. Doch mein 4-Uhr-morgens-Ich fragt sich bloß, warum ich mir das alles überhaupt antue.
4:30 Uhr.
Ich kapituliere vor der Schlaflosigkeit und hole mein "Notfall-Arsenal" hervor:
Zunächst das japanische Minzöl von DM. Der intensive Duft lässt nicht nur die Muskeln entspannen, sondern verleiht mir auch die erfrischende Aura eines wandelnden Sauna-Aufgusses.
Dann die Dehnübungen. Beine und Rücken müssen gedehnt werden. Denn die allermeiste Zeit sitze ich. Und das rächt sich gnadenlos. Ich beneide alle, die mit spielerischer Leichtigkeit Yoga praktizieren. Für mich bedeutet Dehen jedes Mal Überwindung.
Das eigene Kissen — mein treuster Reisebegleiter neben der Kamera — hat diesmal leider den Gepäckcheck nicht überlebt. Eine schmerzhafte Lehre: Lieber eine Hose weniger einpacken als auf Schlafkomfort verzichten.
Ich wette, ich bin nicht der Einzige, der diese nächtlichen Kämpfe kennt. Während ich hier im Hotelbett liege und auf den Sonnenaufgang warte, frage ich mich, wie andere Fotografen damit umgehen. Klar, Dolormin wie Smarties einzuwerfen ist auch eine Strategie — aber vermutlich nicht die cleverste auf Dauer.