Das Stichwort heißt Online Safety Act. Seit dem vergangenen Sommer müssen Seiten, die in Großbritannien erreichbar sind und Nacktes zeigen, eine Altersprüfung vorschalten, Ausweis-Scan inklusive. Viele ausländische Anbieter sperren britisches Publikum inzwischen lieber gleich aus, bevor jemand Ärger macht.
Und jetzt soll, so der Plan der Regierung, eine Software direkt auf dem Smartphone erkennen, was Haut ist und was nicht. Wer einem Algorithmus schon einmal beim Sortieren zugesehen hat, ahnt, wie zuverlässig der ein Aktfoto von Hardcore-Porno unterscheidet.
Hier muss ich kurz etwas zu mir sagen, das mir wichtig ist: Ich war nie politisch, und ich wollte es auch nie sein. Meine Bilder sind Unterhaltung, kein Statement. Ich möchte Ihnen einen leichten Moment schenken, ein bisschen Zerstreuung, vielleicht ein Lächeln. Das ist keine Bescheidenheit, das ist eine Entscheidung.
Dass Adobe mir gelegentlich in die Parade fährt, sobald ich an einem Aktfoto retuschiere, und dass Instagram meine Existenz auf der Plattform in schöner Regelmäßigkeit bedroht, war dann wohl nur der Anfang. Ein Staatseingriff ist eine neue Dimension. Wenn ein freies, demokratisches Land erwachsenen Menschen vorschreibt, sich auszuweisen, bevor sie auf dem eigenen Telefon ein nacktes Bild ansehen dürfen, dann werde ich hellhörig.
Die Absicht dahinter ist ehrenwert, das bestreite ich gar nicht. Jugendliche sollen nicht in Pornografie hineinstolpern, und niemand sollte ungefragt ein Dick Pic im Postfach finden. Nur lösen solche Gesetze das selten chirurgisch. Ein Filter, der Haut erkennen soll, unterscheidet nicht zwischen einem übergriffigen Schnappschuss und einer durchkomponierten Aktaufnahme, also sortiert er im Zweifel beides weg.
Overblocking nennt sich das, und es trifft zuverlässig die, die am wenigsten gemeint waren.
Noch heikler ist der Effekt, den niemand anordnen muss, der Chilling-Effekt. Wenn die Regeln vage und die Strafen hoch sind, fangen die Leute an, sich vorsorglich selbst zu zensieren. Lieber ein Bild weniger, lieber etwas zahmer, lieber gar nicht erst hochladen. Genau dort, in diesem vorauseilenden Gehorsam, arbeite ich längst, wenn ich Inhalte für Social Media produziere (oder gleich ganz auf Posts verzichte).
Es ist das Gegenteil von dem, was ich eigentlich möchte: ein bisschen Leichtigkeit, ohne dabei ständig über die Schulter zu schauen.
