Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich als 12-Jähriger den Berufswunsch Journalist hatte. Mein Vater sagte damals, ich solle dann in die Schülerzeitungs-AG gehen. Und so stand ich schüchtern beim ersten Treffen im neuen Schuljahr. Die Chefredakteurin (wenn man das bei einer Schülerzeitung sagen darf, ohne dass sich echte Chefredakteure vor Lachen auf dem Boden wälzen) schlug vor, dass ich einen Artikel schreibe zum Thema "Mein erster Tag im Gymnasium". Da wurde ich knallrot und sagte, dass ich bereits in die siebte Klasse gehe.
Heute bin ich erwachsen, und solche Dinge sind mir egal. Ich schreibe, was ich will. Naja, ich bemühe mich schon darum, höflich zu sein, denn die Welt ist bereits unhöflich genug. Aber ich bohre schon manchmal in gesellschaftlichen Themen herum wie ein besonders hartnäckiger Zahnarzt. Body Positivity zum Beispiel, oder die Diskriminierung von Aktfotografen wie mir. Auch das Thema Zensur in der westlichen Welt stößt mir immer wieder auf, was vermutlich daran liegt, dass ich als Künstler gerne das fotografiere, was andere für skandalös halten, während ich es für schön halte.
Vor allem aber nehme ich Sie mit in mein Leben als Fotograf. Das ist mal glamourös, mal geprägt von Sorge um die Zukunft. Denn die Zeiten haben sich geändert. Mit OnlyFans und dem Wegbrechen von Printmedien ist mein Job inzwischen ein anderer geworden. Es ist, als würde man Kutscher sein und plötzlich fahren alle Auto. Nur dass beim Kutscher wenigstens noch die Romantik der guten alten Zeit mitschwingt.
Es müssen andere Einnahmequellen her, und ich kämpfe nach wie vor um künstlerische Anerkennung. Aber wer tut das nicht?
Vor zehn Jahren war ich noch zarte 40 Jahre alt. Das klingt heute, als wäre ich damals praktisch ein Kleinkind gewesen. Da hatte ich noch ein paar mehr Haare auf dem Kopf (wobei "ein paar mehr" eine sehr optimistische Formulierung ist) und trank noch Bier. Inzwischen lebe ich sehr viel gesünder, bin körperlich fitter und habe eine klarere Vision, wo meine Reise als Künstler hingehen soll. Das ist das Schöne am Älterwerden: Man bekommt mehr Sicherheit und ein klareres Verständnis.
Ich verspreche Ihnen, dass ich auch weiterhin einmal pro Woche authentisch aus meinem Leben berichten werde. Mal unterhaltsam, mal ernst, manchmal vermutlich auch verwirrend, aber das ist ja das Leben selbst. Immer mit Themen, die es in anderen Fotografie-Blogs nicht so gibt. Ich denke, ich habe eine ganz gute Nische gefunden. Sie liegt irgendwo zwischen "zu persönlich für Technik-Nerds" und "zu werbefrei für Lifestyle-Blogger".