10 Jahre Blog

10 Jahre Blog

Fast hätte ich es übersehen, denn die Zeit verging so schnell, was übrigens eine dieser Standard­floskeln ist, die jeder Mensch ab 40 verwendet, als hätte er gerade das Geheimnis des Uni­versums entdeckt. Aber es stimmt: Diesen Blog gibt es jetzt seit 10 Jahren. Das sind über 500 Artikel, alle aus meiner Feder. Eigent­lich müsste ich ja "aus meiner Tastatur" schreiben, aber das klingt weniger poetisch.

Lesezeit: 3 Min.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich als 12-Jähriger den Berufs­wunsch Journalist hatte. Mein Vater sagte damals, ich solle dann in die Schüler­zeitungs-AG gehen. Und so stand ich schüchtern beim ersten Treffen im neuen Schuljahr. Die Chef­redakteurin (wenn man das bei einer Schüler­zeitung sagen darf, ohne dass sich echte Chef­redakteure vor Lachen auf dem Boden wälzen) schlug vor, dass ich einen Artikel schreibe zum Thema "Mein erster Tag im Gymnasium". Da wurde ich knall­rot und sagte, dass ich bereits in die siebte Klasse gehe.

Das war vermut­lich mein erster großer journalis­tischer Moment: Die Entdeckung der Pein­lichkeit als literarisches Stil­mittel.

Heute bin ich erwachsen, und solche Dinge sind mir egal. Ich schreibe, was ich will. Naja, ich bemühe mich schon darum, höflich zu sein, denn die Welt ist bereits unhöflich genug. Aber ich bohre schon manchmal in gesell­schaftlichen Themen herum wie ein besonders hart­näckiger Zahnarzt. Body Positivity zum Beispiel, oder die Diskri­minierung von Aktfotografen wie mir. Auch das Thema Zensur in der west­lichen Welt stößt mir immer wieder auf, was vermut­lich daran liegt, dass ich als Künstler gerne das foto­grafiere, was andere für skandalös halten, während ich es für schön halte.

Vor allem aber nehme ich Sie mit in mein Leben als Fotograf. Das ist mal glamourös, mal geprägt von Sorge um die Zukunft. Denn die Zeiten haben sich geändert. Mit OnlyFans und dem Weg­brechen von Print­medien ist mein Job inzwischen ein anderer geworden. Es ist, als würde man Kutscher sein und plötz­lich fahren alle Auto. Nur dass beim Kutscher wenigs­tens noch die Romantik der guten alten Zeit mitschwingt.

Es müssen andere Einnahme­quellen her, und ich kämpfe nach wie vor um künstlerische Aner­kennung. Aber wer tut das nicht?

Vor zehn Jahren war ich noch zarte 40 Jahre alt. Das klingt heute, als wäre ich damals praktisch ein Klein­kind gewesen. Da hatte ich noch ein paar mehr Haare auf dem Kopf (wobei "ein paar mehr" eine sehr optimistische Formulierung ist) und trank noch Bier. Inzwischen lebe ich sehr viel gesünder, bin körper­lich fitter und habe eine klarere Vision, wo meine Reise als Künstler hin­gehen soll. Das ist das Schöne am Älter­werden: Man bekommt mehr Sicher­heit und ein klareres Verständnis.

Ich verspreche Ihnen, dass ich auch weiter­hin einmal pro Woche authen­tisch aus meinem Leben berichten werde. Mal unterhalt­sam, mal ernst, manchmal vermutlich auch verwir­rend, aber das ist ja das Leben selbst. Immer mit Themen, die es in anderen Fotografie-Blogs nicht so gibt. Ich denke, ich habe eine ganz gute Nische gefunden. Sie liegt irgendwo zwischen "zu persönlich für Technik-Nerds" und "zu werbefrei für Lifestyle-Blogger".

Vielen Dank, dass Sie meinen Blog lesen. Denn für Sie schreibe ich meine Artikel! Das ist nicht nur eine Höflichkeits­floskel, sondern tatsächlich wahr. Ohne Sie würde ich nur für mich schreiben, und das täte ich vermutlich in einem kleinen Notiz­buch, das niemand je zu Gesicht bekäme.

Auf die nächsten 10 Jahre, in denen ich wohl noch mehr Haare verliere, aber dafür noch weiser werde. Oder zumindest älter.

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