Nausicaa Yami stammt ursprünglich aus der Konditorei und hat während der Pandemie ihre Karriere umgekrempelt. Heute ist sie ein erfolgreiches Model und hat bereits mit allen Top-Fotografen zusammengearbeitet. Ihre Karriere ist beeindruckend. Ich werde sie aber in einem separaten Interview genauer vorstellen.
Meine Bilder leben immer von der Location. Vielleicht ist das zu viel gesagt. Was ich meine ist, dass die Location für meine Fotos auch immer eine Rolle spielt.
Und als ich diese bezaubernden Fenster sah, musste ich unbedingt nach einer Genehmigung fragen, dort zu fotografieren. Wie immer sind Modell und ich beim Shooting zum ersten Mal aufeinander getroffen. Beide sind wir nach Rom angereist. Extra für dieses Shooting.
Das birgt ein gewisses Risiko. Aber ich war mehr als zufrieden und habe mich deshalb auch entschlossen, das Titelfoto aus dieser Strecke zu entnehmen.
Das kunstvoll gestaltete Fensterornament mit seiner Bleiverglasung fungiert nicht nur als ästhetisches Highlight, sondern erinnert an eine Zeit, in der solche Meisterwerke als Statussymbole galten.
Der Bogen im gelben Teil der Fenster, der alte und wunderschöne Tisch. Mein Motiv war sofort geboren. Und im Nachhinein bin ich selbst etwas überrascht, dass ich sofort die Analogie von orangenen Fenstern und der Frucht gespürt hatte und für mein Shooting noch zwei dieser Südfrüchte im Supermarkt vor der Tür gekauft hatte.
Pullover und Latzhose mussten auch sein. Ich wollte einfach diesen Retro-Vibe nochmal aufleben lassen. Ich freue mich jetzt schon darauf, einmal wieder mit Nausicaa Yami zu arbeiten.
Nausicaa Yami musste ganze zwei Jahre warten, bis unsere Bilder endlich veröffentlicht wurden. Das ist für die allermeisten Modelle inzwischen unvorstellbar. Alles wird live gepostet, Wartezeiten gibt es nicht mehr. Für mich war es sehr herausfordernd, weil die Modelle mir oft schrieben, wann das Buch endlich kommt oder sogar Angst hatten, die Bilder seien nicht gut genug geworden.
Mir war die Geheimhaltung sehr wichtig. Ein Buch herauszubringen, dessen Bilder schon im Vorfeld zu sehen sind, empfinde ich als witzlos. Der Überraschungsmoment ist mir sehr wichtig, damit man die Fotos richtig zelebrieren kann. Rund 90% der Fotos aus meinem Buch, habe ich zuvor niemandem gezeigt. Auch nicht den Modellen.
Im Nachhinein ärgere ich mich ein bisschen, dass ich nicht viel mehr Making of Sequenzen aufgezeichnet habe. Aber so bin ich einfach nicht. Ich bin kein Mensch, der sein ganzen Leben dokumentiert. Ich sauge diese Erfahrungen in mich auf und speichere Erinnerungen ab. So kann ich jetzt kein Bild zeigen, aber sehr wohl beschreiben, dass der Schlüssel zur Wohnung in Rom ca. 20cm lang war. Ein ganz alter Schlüssel für eine sehr alte Tür.
