Ich komme da oft nicht mehr mit. Wenn es um Themen wie Kulturelle Aneignung geht (z.B. weiße Menschen, die Dreadlocks tragen) oder um ein übertriebenes Gendern (darf ich das so sagen?), wenn eine nicht-weiße Person in politisch korrekter Weise als BiPoc (Black indigenous People of Color) bezeichnet werden muss oder ich selbst mit Cancel Culture konfrontiert werde, dann bin ich einfach nur noch verwirrt. Und es bringt mich zum Nachdenken.
Kann ich als Mann ein Feminist sein?
Feminismus setzt sich für Gleichberechtigung aller Menschen ein, gegen Sexismus und gegen die Diskriminierung von Frauen.
Dazu bekenne ich mich.
Feminismus bedeutet nicht, dass Männer entmannt werden. Im Gegenteil, Männer dürfen auch weinen und müssen nicht die Rolle des starken Familienoberhauptes und Versorgers übernehmen.
Und schon bei diesem Thema wird es schwierig — das Bild des starken Mannes. Dieses Bild ist seit Generationen so tief in uns verwurzelt, dass es schwer ist, es loszulassen. Als Mann spüre ich das Bedürfnis, Frauen zu beschützen.
Es liegt in meiner Natur (tut es das wirklich?). Auch ich finde Muskeln toll. Erfolgreich zu sein spricht mich ebenfalls an.
Ich persönlich brauche keine Symbole wie ein großes Auto oder eine dicke Uhr am Handgelenk, um mich als starken Mann zu kennzeichnen. Aber viele Männer brauchen das, um ihren Status zu kommunizieren. Und viele Frauen ticken genauso.
Wir haben unterschiedliche Interessen und ich finde es falsch, anderen die eigene Meinung aufzwingen zu wollen. Alles immer unter dem Vorbehalt, dass das eigene Handeln anderen nicht schadet.
Was hat all das überhaupt mit Aktfotografie zu tun?
Wenn es um mediale Darstellungen meiner Arbeit geht, werde ich manchmal mit der Frage konfrontiert, ob es noch zeitgemäß ist, beispielsweise eine nackte Frau mit einem Auto zu präsentieren. Oder einen Werkstattkalender mit leicht bekleideten Damen zu produzieren.
Das sind berechtigte Fragen! Nicht alles, was früher gut war, ist heute noch gut. Und nicht alles, was früher gut war, ist heute schlecht.
Manche sagen, dass dies Frauen objektifiziert und sie zu dekorativen Accessoires degradiert. Das macht mich sauer.
Denn dann fühle ich mich missverstanden. Ich bin ein großer Bewunderer von Frauen und ich zelebriere weibliche Schönheit. Es geht also wirklich nur um Kunst.
Diese kann in ihrer Darstellung manchmal objektifizierend sein, wie es zum Beispiel auch alte griechische Statuen sind, aber es bleibt dennoch eine Hommage an die weibliche Schönheit.
Meine Models übernehmen bei einem Shooting eine Rolle. Ich fotografiere keine dokumentarischen Arbeiten über die Persönlichkeit oder das Schicksal dieser Frauen.
Ich kenne sie größtenteils nicht einmal und weiß sehr wenig über sie. Die Models sind wie Schauspielerinnen, die eine Rolle verkörpern.
Das schwache Geschlecht ist das stärkere — wegen der Schwäche des Stärkeren für das Schwächere.
Greta Gabo
Daher ist das, was ich zeige, nie real. Auch wenn es real aussehen soll. Ich erzähle eine Geschichte für das Kopfkino. Genau genommen erzählt sich der Betrachter die Geschichte selbst und sie ist für jeden von uns daher ein wenig anders.
Die Phantasie des Mannes ist die stärkste Waffe einer Frau.
Sophia Loren
Wenn mir vorgeworfen wird, ich würde ein Frauenbild zeigen, das sich nur lasziv präsentiert, weil Männer es von ihr verlangen, finde ich diesen Vorwurf grotesk.
Ich überrede niemanden, sich vor meiner Kamera auszuziehen (Und ich habe auch schon einmal einen Kalender mit nackten Männern fotografiert).
Meine Fotoaufnahmen geschehen immer auf freiwilliger Basis und ich fordere im Gegenzug, dass Frauen (in diesem Fall die Models, mit denen ich arbeite) auch das Recht haben müssen, sich erotisch zu präsentieren, ohne dafür in eine Schublade gesteckt zu werden.
Auch das ist für mich Feminismus.
Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar.
Astrid Lindgren