Einfach so weg

Einfach so weg

Der Rechner erkennt das Laufwerk nicht. Anderer Port, anderes Kabel, anderer Rechner, dasselbe Nichts. Ich habe die Platten von Crucial hier im Blog gelobt und ausgerechnet eine davon war jetzt plötzlich tot. Einfach so. Eine X10 Pro von November 2023, also das teurere Pro-Modell.

Lesezeit: 3 Min.

Der Zeitpunkt war grandios gewählt. Wer aktuell Ersatz braucht, merkt schnell, dass Speicher kaufen im Moment eine eigene Disziplin ist. SSDs kosten ein Vielfaches von dem, was vor einem Jahr fällig war. Externe Festplatten sind in manchen Läden auf ein Stück pro Person limitiert oder schlicht nicht da.

Der Grund liegt nicht im Handel, sondern in den Fabriken. Die Hersteller haben ihre Kapazitäten dorthin verlagert, wo die KI-Branche zahlt. Die großen Rechenzentren kaufen die Festplattenproduktion nämlich gleich jahrgangsweise im Voraus auf. Für den Rest der Welt bleibt, was übrig ist, zu Preisen auf Rekordniveau. Entspannung erwarten die Analysten frühestens 2027.

Praktisch heißt das: Archivmaterial gehört derzeit auf externe Festplatten, die teure SSD bleibt den aktiven Projekten vorbehalten.

Zurück zur toten Crucial Platte. Sie war nicht mein erster Ausfall. Mir ist eine SanDisk-SSD gestorben, mir sind Sony-Tough-Karten gestorben, durchweg Geräte, die im Marketing als Werkzeug für Berufstätige positioniert werden. Mein Eindruck nach vielen Jahren: »Pro« bezeichnet bei Consumer-Speicher Geschwindigkeit und Gehäuse. Es bezeichnet nicht mehr Qualität oder Ausfallsicherheit.

Denn SSDs sterben in der Praxis nur selten daran, dass sie abgenutzt sind. Meistens gibt die Elektronik auf und dann sind alle Daten auf einen Schlag weg, obwohl der Speicher selbst völlig intakt ist. Eine Festplatte kündigt ihr Ende meistens an, sie wird langsam, sie macht Geräusche, sie liefert erste Lesefehler. Eine SSD tut nichts dergleichen. Sie funktioniert, bis sie es von einer Sekunde auf die andere nicht mehr tut.

Wer das für eine Randerscheinung hält, sollte sich an 2023 erinnern, als bei mehreren portablen SanDisk-Modellen ein Firmware-Fehler zu Datenverlusten führte, gefolgt von Sammelklagen in den USA. Betroffen waren ausgerechnet die teuren Pro-Varianten.

Dazu kommt eine Praxis, über die selten gesprochen wird: Hersteller tauschen bei laufender Produktion Bauteile aus, ohne die Modellbezeichnung zu ändern. Das gelobte Laufwerk aus dem Test von vor zwei Jahren und das Exemplar im heutigen Karton können innen verschiedene Produkte sein.

Der Ausfall meiner SSD war die eine Sache, die Abwicklung die andere. Rund 30 E-Mails, Versand ins Ausland, sieben Wochen Bearbeitung, zwischendurch die Zusage eines älteren Ersatzmodells. Am Ende bekam ich immerhin den Kaufpreis erstattet, was bei den heutigen Preisen für dieselbe Kapazität ein überschaubarer Trost ist.

Wer daraus etwas mitnehmen will: Kaufbelege deutlich länger als zwei Jahre aufheben. Die Herstellergarantie läuft oft drei bis fünf Jahre, ist ohne Beleg und Seriennummer aber nur ein hübsches Versprechen ohne Gegenwert.

Zwei Schlüsse ziehe ich: Ich setze nicht auf einen Hersteller. Es gibt nicht den einen guten. Jeder große Anbieter hatte seine Problemserie. Wer sein gesamtes Material auf Laufwerken einer Marke liegen hat, hat kein verteiltes Risiko, sondern ein einziges. Ich mische bewusst: verschiedene Hersteller, verschiedene Technologien, verschiedene Baujahre. Und ich behandle Karten wie portable SSDs als das, was sie sind, nämlich Verbrauchsmaterial mit Zufallsausfall.

Keine Karte wird formatiert, bevor zwei unabhängige Kopien existieren. Unterwegs sichere ich auf zwei getrennte Datenträger. Das Archiv lagert jetzt auf Festplatten, nicht auf SSDs. Eine Kopie liegt außer Haus.

Daten-Backups sind schon eine Menge Aufwand. Aber hier zu sparen, wäre ein fataler Ansatz.

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