Jetzt hat Adobe nachgelegt. In Camera Raw, bei mir meistens über den Camera-Raw-Filter in Photoshop aufgerufen, gibt es im Effects-Panel eine neue Sektion: Glow. Sie sitzt direkt bei Vignette und Grain. Der Regler diffundiert die Lichter, lässt Lichtquellen aufblühen, gibt dem Bild eine weiche, leuchtende Anmutung. Je höher der Wert, desto weiter blüht das Licht aus den hellen Bereichen nach außen. Klingt vielleicht zuerst wie eine Spielerei, aber es gibt drei Stile, die sich im Detail deutlich unterscheiden.
Diffusion ist die dunstige, filmartige Weichzeichnung, die sich über das gesamte Bild legt. Adobe empfiehlt das für Landschaften und Sonnenuntergänge, was insofern ehrlich ist, als dort tatsächlich der größte Effekt entsteht. Halation legt einen farbigen Retro-Halo um helle Kanten und Lichtquellen, gedacht für Neonschilder bei Nachtaufnahmen. Es funktioniert auch ganz gut bei Gegenlicht (nur wenn nicht der ganze Himmel ausgebrannt ist).
Für mich am Interessantesten ist jedoch: Bloom. Bloom erzeugt ein weiches, gleichmäßiges Leuchten über den Lichtern. Offiziell ist er für ätherische Motive gedacht wie Wasserfälle und Nebelszenen. In meinem Genre ist dieses Aufblühen in den hellen Partien der Haut das, was die Bildsprache der Achtziger ausgemacht hat, dieses weiche Soft-Porn-Licht.
Die Feineinstellung erledigen drei Regler. Range legt den Tonwertbereich fest, in dem Glow überhaupt greift, von nur den hellsten Lichtern bis zu deutlich breiteren Bereichen. Spread steuert, wie weit das Leuchten von den hellen Partien ausstrahlt, höhere Werte ergeben einen breiteren, weicheren Effekt. Warmth verschiebt die Farbe des Leuchtens. Bei Diffusion und Bloom reicht die Skala von kühl bis warm, bei Halation dagegen von Gelb bis Rot, was für den angepeilten Retro-Look absolut Sinn ergibt.
Noch ein kleiner Tipp: Beim Ziehen von Range und Spread lässt sich mit gedrückter Alt-Taste (auf dem Mac Option) eine Schwarzweiß-Maske einblenden, die exakt zeigt, wo der Effekt greift und wie weit er reicht.
Mein Filter bleibt natürlich dennoch auf dem Objektiv. Was vor dem Sensor passiert, passiert im Licht selbst, und das lässt sich in der Nachbearbeitung annähern, aber nicht wirklich nachbauen. Glow ist für mich als zweite Schicht gedacht, die ich sparsam obendrauf lege, wenn eine Aufnahme in diese Richtung will. Sparsam ist dabei das entscheidende Wort. Es gibt wenig, was ein gutes Bild schneller ruiniert als ein Effekt, den man auf den ersten Blick als Effekt erkennt.
Das ist etwas, was ich mir selbst auch immer wieder sagen muss.
