So sah mein Alltag aus (und wird er bald wieder). Ich verschicke regelmäßig Bücher, Kalender, ab und zu ein Kunstwerk. Früher gab es dafür Postfilialen. Die hat DHL fast vollständig abgeschafft. In einer Großstadt wie Frankfurt existiert noch genau eine echte Filiale, mitten in der Innenstadt, und parken können Sie dort ausschließlich im Parkhaus, was natürlich kostenpflichtig ist.
Die Franchise-Filiale im Hauptbahnhof, lange meine Rettung, wurde kürzlich geschlossen. Umgezogen ist sie ausgerechnet in die Nidda-Straße, also dorthin, wo sich nicht einmal mehr die Polizei blicken lässt und stattdessen gelegentlich ein privater Wachdienst die Runde dreht. Wer diese Sackgasse betritt, großzügig gepflastert mit zweifelhaften Hinterlassenschaften und bevölkert von einer sehr treuen Stammkundschaft, dem pfeift binnen einer Minute der erste Dealer hinterher. Tut mir leid, aber meine Kalender gebe ich dort nicht ab.
Bleiben die Supermärkte. Aber kommen Sie da einmal mit mehr als zwei Sendungen an. Die Hände fliegen über den Köpfen zusammen, der Zollstock kommt zum Einsatz, Sie kennen das Spiel mittlerweile.
Bei größeren Mengen fahre ich deshalb lieber zur Franchise-Filiale an der Messe. Dort arbeitet eine ältere Dame, die mit Computern auf Kriegsfuß steht, und zwar auf einem, der seit Jahren nicht entschieden ist. Seit DHL verlangt, pro Paket zwei Barcodes zu scannen, ist sie endgültig aus dem Konzept. Woher ich das weiß? Sie begrüßte mich vorhin, ungelogen, mit den Worten, "Schon wieder so Scheiß-Pakete." Seit 2018 macht sie diesen Job, und sie nimmt ihn noch immer ausgesprochen schwer.
Ihre Kollegin steht ihr in nichts nach. "Zwei Kilo haben wir gar nicht im Programm. Nur als Päckchen. Haben Sie das online gemacht?" Ja, habe ich. Und ja, online frankierte Pakete darf ich tatsächlich bei Ihnen abgeben. Mein Gott.
Ich weiß, ich weiß. Früher war auch nicht alles besser. Ich erinnere mich noch zu gut an eine endlose Schlange in einer echten Postfiliale, ich muss ein Teenager gewesen sein, und an den Mitarbeiter hinter dem Panzerglas, den ich höflich bat, doch bitte seinen zweiten Schalter zu öffnen. Seine Antwort, wörtlich, "Kollege kommt gleich. Ich bin eigentlich gar nicht da." Dienstleistungsgesellschaft Deutschland, in einem einzigen Satz.
Auf den Zustellfahrzeugen steht übrigens, ich könne dem Fahrer meine Pakete einfach mitgeben. Eine charmante Idee. Aber haben Sie schon einmal die Freude in den Augen eines Fahrers gesehen, dessen mühsam leer gewordenes Fahrzeug Sie gerade mit zehn frischen Paketen wieder auffüllen möchten? Diesen stummen Vorwurf in seinem Blick ertrage ich beim besten Willen nicht.
