Sehr erfreut, Simon Boltz

Sehr erfreut, Simon Boltz

Vor ein paar Tagen stolpere ich über die Auktion eines meiner Sublime-Bücher, vergriffen seit zweitausendeinundzwanzig. Erst mal ein gutes Zeichen, das Buch ist offenbar gefragt genug, um Jahre später wieder aufzutauchen. Nur steht unter den Fotos ein fremder Name. Simon Boltz. So heiße offenbar ich, sobald meine Bücher bei Catawiki landen.

Lesezeit: 2 Min.

Zum vierten Mal jetzt. Derselbe Verkäufer, derselbe Patzer, mein Name vom Cover abgetippt und dabei verunglückt. Aus einem z wird ein tz, und schon bin ich jemand anderes.

Das Schöne daran ist nicht der Tippfehler. Tippfehler passieren. Das Schöne ist das Versprechen darüber. Catawiki wirbt mit Experten, auf die man zählen kann, mit mehr als zweihundertvierzig hauseigenen Fachleuten, die täglich tausende Objekte sichten und nur die besten zur Auktion zulassen. Geschulte Augen, Kennerblick, Qualitätsfilter.

Und diese zweihundertvierzig Augenpaare schaffen es vier Mal nicht, einen Namen zu lesen, der in fingerdicken Lettern auf dem Cover steht.

Catawikis Versprechen
Catawikis Versprechen

Ich male mir die Prüfung gern aus. Ein Fachmann beugt sich über mein Buch, mustert das Cover, nickt anerkennend und tippt dann mit der Sorgfalt eines Mannes, der eigentlich schon in der Mittagspause ist. Häkchen. Nächstes Objekt.

Manchmal denke ich, ich hätte mir früher einen Künstlernamen zulegen sollen. Nicht unter dem Klarnamen Erotik-Fotograf werden, sondern unter etwas Eigenem, Erfundenem, mit Klang. Aber ehrlich, dann hätte ich wohl mehr verändert als nur ein z in ein tz.

So bleibt mir der gute Simon Boltz. Eine Person gibt es nicht, nur diesen einen Buchstaben zu viel, der aus meiner Arbeit das Werk eines Fremden macht. Ein tz, und schon gehört mir nichts mehr.

Sollte dieser Text je bei Catawiki landen, hätte ich nur eine Bitte an den nächsten der zweihundertvierzig. Einmal aufs Cover schauen. Da steht mein Name. Sogar richtig.

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