Als mein erstes Buch Frisky 2014 herauskam, war der Buchmarkt noch anders. Ich konnte etwa 250 Exemplare an verschiedene Läden in Deutschland und Europa verkaufen. Der übliche Rabatt für den Verkauf von Büchern an Geschäfte beträgt 40%, also hatten sie eine gute Marge.
Natürlich verkauft man Fotobücher nicht wie Taschenbuch-Romane, aber wenn man sie schön präsentiert und eine anständige Sammlung vorrätig hat, werden sich genügend Leute dafür interessieren. Ein Fotobuch ist normalerweise ein perfektes Geschenk. Aber um Impulskäufer anzuziehen, muss man eine Vielfalt an Fotobüchern anbieten.
Buchhandlungen machten das früher, indem sie eine spezielle Abteilung für Fotobücher hatten. Wenn man durch den Laden ging, gab es dort oft Leute, die sich dort aufhielten und die Auswahl durchstöberten. Lange bevor ich selbst mit der Fotografie anfing, erinnere ich mich, viele Bildbände gekauft zu haben, nur weil ich darauf gestoßen bin.
Früher gab es sogar Läden, die auf den Verkauf von Kunstbüchern spezialisiert waren. Einige davon waren Museumsshops, andere hatten ihre unabhängigen Geschäfte irgendwo in der Innenstadt.
Das ist inzwischen Geschichte. Doe Strategie der Buchhändler hat sich dramatisch verändert. Lokale Händler bieten keine Akt-Fotobücher mehr an. Wie in den sozialen Medien ist Nacktheit nicht mehr gesellschaftlich akzeptabel. Das ist ein riesiger Nachteil für jeden, der Akte fotografiert.
Buchhandlungen, die 2014 mein erstes Buch anboten, nahmen Sublime nicht mehr in ihr Sortiment auf. Sie wurden sehr hochnäsig, fragten nach einem Rabatt von mindestens 55% oder antworteten überhaupt nicht, als ich ihnen ein Probeexemplar schickte.
Mir ist bewusst, dass das Fotografieren von Akten nicht unserem aktuellen Zeitgeist entspricht, weil es etwas Unterhaltsames ist und eine gemütliche Idealwelt zeigt. Um dem Zeitgeist zu entsprechen, darf man keine positiven Bilder zeigen. Sondern düstere Dinge wie Schwarz-Weiß-Bilder von verfallenen Orten, Menschen, die in Armut leben, etwas, wo man Mitgefühl und Schock empfinden kann, wenn man durch das Buch blättert.
Mir voll bewusst, wie dieses System funktioniert, aber ich produziere absichtlich leicht verdauliche Bilder. Das ist mein Beitrag, die Welt besser zu machen. Den Menschen eine Auszeit von ihren Sorgen und all den schlechten Nachrichten in den Medien zu geben. Für einen Moment das leichte Leben mit meinen Bildern zu genießen.
Aktfotografie-Bücher sind eine Nische in der Kunstwelt — aber sie müssen ihren Platz einfordern.
Bitte glauben Sie nicht, dass ich generell sauer auf das Verhalten der Buchhandlungen bin. Es gibt auch wunderbare Ausnahmen. Zum Beispiel die Leica Gallery in Frankfurt. Sie führen dort eine erstaunliche Sammlung von Fotobüchern und selbst wenn man sich keine Leica-Kamera leisten kannst, sollte man ddas Buchangebot in Frankfurt oder in Wetzlar (in ihrem Hauptquartier) einmal gesehen haben.
Sie haben mich unterstützt, obwohl ich das Buch Sublime mit einer Sony-Kamera fotografiert habe. Und ich bin dafür sehr dankbar und nehme das nicht als selbstverständlich hin. Glücklicherweise läuft der Verkauf meines Buchs in ihren Geschäften gut.
Auch die Verkäufe auf Amazon laufen gut. Obwohl die Präsentation des Buches aus meiner Sicht nicht ideal ist (die Bilder sind zum Beispiel nicht groß genug), aber manchmal verirren sich die Leute auf der Amazon-Website und bestellen trotzdem dort.
Falls Sie sich gefragt hast, warum die Bestellung bei Amazon so schnell geht, liegt das einfach daran, dass ich immer sehr schnell versende. Amazon schickt mir die Bestellung, ich gehe zur Post. Genau wie ich es mit jeder Bestellung mache, die ich auf meiner eigenen Website bekomme (hier).
Also, online funktioniert. Die meisten Bücher wurden natürlich auf meiner eigenen Website verkauft. Ich vermute, der eigentliche Grund, warum Buchhandlungen es schwer haben im Wettbewerb mit Amazon, ist, dass sie sich nicht auf ihre Vorteile konzentrieren. Wie die Pflege einer guten Beziehung zu ihren Stammkunden und das schöne Präsentieren von Büchern und das Anbieten interessanter (und regelmäßig neuer) Sachen für sie.
Ich stimme ihnen nicht zu, wenn sie sagen, dass Bücher von den Leuten nicht mehr nachgefragt werden oder Amazon die lokalen Buchhandlungen in Bedrängnis bringt. Sie sollten einfach von ihrem hohen Ross herabsteigen und ihre eigene Position überdenken.